Neuss: Thomas Wenning gibt Hamtorkrug auf

Neuss : Thomas Wenning gibt Hamtorkrug auf

Nach 17 Jahren als Wirt des Hamtorkrugs verlässt Thomas Wenning die Musikkneipe an der Büttger Straße und sucht nach einer neuen Gaststätte. Für die Musikkneipe gibt es ab Februar aber einen neuen Pächter.

Der Satz hört sich lässig an: "Der Hamtorkrug und ich - wir haben uns auseinandergelebt." Aber ganz so einfach ist es dann doch nicht, als Thomas Wenning erzählt, dass er die Musikkneipe an der Büttger Straße aufgeben wird. "Es fühlt sich ein bisschen so an, als ob jemand an meiner Nabelschnur reißt", sagt er nachdenklich. Immerhin hat er sein halbes Leben in der Kneipe verbracht, die wie kaum eine andere in Neuss für eine lange Musiktradition steht. Schon als Schüler hat er dort gekellnert. Aber zum Ende des Jahres ist Schluss.

Der Mittvierziger hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Vor rund einem Jahr hat er den Hamtorkrug neu ausgerichtet. Ein Club-Modell entworfen, das neben den Konzerten und Lesungen Motto-Abende vorsah. Mal ging es ums Mittelalter, mal war eine "Blitzparty" mit viel Musik zum Abtanzen und konzentriertem Feiern in zwei Stunden angesagt. Richtig angenommen wurde das leider nicht.

Doch das allein ist keineswegs der Grund, warum Thomas Wenning den Hamtorkrug aufgeben will und eine neue Gaststätte sucht. Bestimmte Dinge, die er mag und die ihm wichtig sind, hätten sich überlebt. "Ich bin vor allem ein Fan des Blues", sagt er und lacht, "aber den will heute kaum noch einer hören." Er hat zwar keine Probleme, Musiker zu finden, die gerne bei ihm auftreten - und auch das Publikum findet sich dafür durchaus -, aber das allein reiche nicht, sagt er. Das Nichtraucherschutzgesetz, der Rückgang an thekenstehenden Stammgästen - das seien die Dinge, die ihm das Leben als Kneipenwirt schwermachten. An der Büttger Straße zieht er jetzt die Reißleine. Aber nur dort. Und es macht es ihm etwas leichter, dass "seine" Musikkneipe auch schon einen Nachfolger gefunden hat. Einen Monat bleibt der Hamtorkrug geschlossen, Anfang Februar öffnet er wieder seine Tür.

Zusammen mit einer Brauerei sucht Thomas Wenning derweil nach einer Gaststätte, die ebenfalls Raum für kulturelle Veranstaltungen bietet, aber auch eine Terrasse und eine Küche. Außengastronomie und Essen - das seien zwei Dinge, die heute von den Gästen immer mehr verlangt werden, hat er festgestellt. Im Hamtorkrug könnte er ein solches Konzept nicht umsetzen.

Seit er dort 2008 den Innenraum gedämmt und mit Schallschutz ausgebaut hat, ist die urige Kneipe mit dem Konzertraum für rund 150 Zuhörer zu einem Treffpunkt für international agierende Bands und Musiker geworden. Und die waren auch zum Anfassen. Mit Roger Chapman an der Theke ein Bier trinken, nachdem er gerade den Saal gerockt hat, oder in Armeslänge von Gitarrist Klaus "Major" Häuser einen Musikabend erleben, dass man sinnbildlich eine Stecknadel fallen hören könnte - das sind auch für Thomas Wenning die Höhepunkte seiner fast 17 Jahre als Kneipenchef. Bei der Frage, wen er noch gerne geholt hätte, muss er erst mal überlegen. Und dann kommt: "Axel Prahl. Er war mal mein Gast, als er noch nicht an der Seite von Jan Josef Liefers Millionen Menschen vor den Bildschirm zog. Humorvoll, freundlich und offen - so, wie wir ihn in seiner Rolle erleben, den hätte ich gerne mal auf meiner Bühne."

(NGZ)
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