Thomas Schütte baut auf der Raketenstation in Neuss eine neue Halle

Ausstellung auf der Raketenstation: Thomas Schütte baut auf der Raketenstation eine neue Halle

Das Modell ist ab heute in der neuen Ausstellung in der Skulpturenhalle der Schütte-Stiftung zu sehen. Die Schau endet am 3. März

Thomas Schütte ist immer für eine Überraschung gut. Das zeigt sich auch bei seiner neuen Ausstellung, in der er in der Skulpturenhalle seiner Stiftung auf der Raketenstation Modelle von Bauten zeigt, die entweder nie, schon längst oder in Kürze realisiert werden. Letzteres betrifft etwa einen Neubau  auf der Wiesenseite der Skulpturenhalle, wo ein Lager für Schüttes Kunst, ein großes Archiv und eine (Hausmeister)-Wohnung untergebracht werden sollen. Zweckgebunden also, aber in seinen geschwungenen Linien, wenn auch insgesamt etwas kleiner wunderbar zur Architektur der Ausstellungshalle passend. 

An der Wand "Woodcuts" von Thomas Schütte aus dem Jahr 2011, das Modell ist „Tower of Talkers“ betitelt. Foto: Helga Bittner

Die Bauvoranfrage sei schon positiv beschieden worden, erzählt der Künstler wie nebenbei. Bis Ende des Jahres seien die Vorarbeiten erledigt, so dass er hofft, dass der Neubau  2021 steht. Er selbst hat den Bau entworfen, mit Neigung, die auf der einen Seite ins Unterirdische geht, denn dort soll das Lager hinein. Die Größe der Wohnung empfindet er selbst als luxuriös, der Balkon wirkt wie ein großer Schiffsbug, allein das Wohnzimmer sei 100 Quadratmeter groß.

Während dieses Modell auf eine baldige Zukunft verweist, das von der Skulpturenhalle ebenso für die Gegenwart steht wie das Modell für den Pavillon in Krefeld zum 100-Jährigen des Bauhauses, symbolisieren andere Modelle Teile der Vergangenheit.

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Fast jedes hat eine eigene Geschichte, die von Schütte  recht dröge erzählt wird, aber manches Mal auch traurig macht. Die von seinem „Eispavillon“ zum Beispiel. Für die „documenta“ 1987 hat er ihn entworfen, der Künstler Mario Merz, damals nicht nach Kassel eingeladen, war dennoch dabei, denn er habe dem Bau den Schriftzug aus Neonlicht gegeben. Als Schütte von der zwei Jahre nach dem Tod von Merz (2003) gegründeten Stiftung gebeten wurde, für das Dach deren Gebäudes in Turin ein Café zu entwerfen, schickte er seine Idee vom „Eispavillon“. Wie immer hatte er zuvor die Foundation in Turin und auch den „Eispavillon“ maßstabgerecht nachbauen lassen. Eine Antwort aber hat er nie erhalten. Doch das Modell vermittelt in der Ausstellung eine Ahnung davon, was Schütte damals durch den Kopf gegangen sein muss.

Aber auch andere Entwürfe blieben eben nur solche. Mit dem Unterschied, dass  ihnen dieses Schicksal von vornherein zugedacht war: „Das Krankenhaus“ etwa, oder auch „Die Bank“. Schütte hat seine Modelle immer im Maßstand 1:20 entworfen: „Architekten arbeiten zumeist mit einem Maßstab 1:50“, sagt er und schränkt dann ein: „Wenn sie heute überhaupt noch Modelle bauen.“ 

Info Berger Weg, ab heute, 11 Uhr, bis 3. März

(hbm)
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