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Neuss: Theaterzustand herstellen

Neuss : Theaterzustand herstellen

Neuss/Ansbach Einfach wird es nicht, aber Jürgen Eick ist vor der Aufgabe nicht bange. Der Theaterautor und -regisseur, der von 1999 bis 2003 am Rheinischen Landestheater arbeitete ("Moby Dick") und auch am Theater am Schlachthof tätig war ("Könixparade"), ist frisch gebackener Intendant des Theaters Ansbach - einer Bühne, die so richtig noch gar nicht existiert.

Neuss/Ansbach Einfach wird es nicht, aber Jürgen Eick ist vor der Aufgabe nicht bange. Der Theaterautor und -regisseur, der von 1999 bis 2003 am Rheinischen Landestheater arbeitete ("Moby Dick") und auch am Theater am Schlachthof tätig war ("Könixparade"), ist frisch gebackener Intendant des Theaters Ansbach - einer Bühne, die so richtig noch gar nicht existiert.

Die Kaspar-Hauser-Stadt hat indes schon ein Theater, ein wunderschön renoviertes sogar, wie Eick erzählt, wo in den vergangenen Jahren auch jede Menge "Kultur am Schloss" stattfand. So lautete bislang der Sammelbegriff für die Veranstaltungen aus Musik, Film und Theater im "Haus der Volksbildung", die in Form von Gastspielen auch viele Ansbacher regelmäßig in ihr Theater zogen.

Nun soll Eick das von einem genossenschaftlich organisierten Trägerverein unter dem früheren Bundesentwicklungsminister Spranger geführte Haus zu einem richtigen Theater machen. Mit einem eigenen Spielplan und auch mit einem eigenen sieben- bis neunköpfigen Ensemble, "aber das ist erst der zweite und dritte Schritt".

Ein Kraftakt zweifellos, das weiß auch der 38-Jährige, der als Gründungsintendant einen Dreijahres-vertrag unterschrieben hat und von einer Verlängerung von weiteren vier Jahren ausgeht. "Das wird ein Rund-um-die-Uhr-Job", sagt er und kann trotzdem lachen.

Denn er sieht vor allem die spannende Herausforderung, in der Stadt, in der er so etwas wie "eine Goldgräberstimmung" ausmacht, mit einem "reichen Kulturleben" viele verschiedene Zielgruppen zu versorgen. "Theater für alle" ist dabei ein Schlagwort, das er aus Senftenberg mitgebracht hat, wo er unter Sewan Latchinian (ehemaliger Oberspielleiter am RLT) Chefdramaturg war.

"Das Haus soll zu einem Stadttheater werden", sagt er, "in dem Sinne, dass es mehr als nur einen Spielplan bietet, sondern ein Treffpunkt auf vielen Ebenen für viele Menschen wird". Mit dem Konzept hat er jedenfalls die Findungskommission überzeugen können und über 80 Bewerber ausgestochen.

2008/09 sollen schon sechs bis acht Premieren anstehen; die Zuschauer möchte er einerseits "da abholen, wo sie sind", aber gleichzeitig auch ihre "Sehgewohnheiten entwickeln". Schon in diesem Herbst will er einzelne künstlerische Akzente setzten, einen "Theaterzustand herstellen", wie er es nennt. Etwa mit der Aufführung von Yasmina Rezas Komödie "Kunst" und dem Weihnachtsmärchen "Des Kaisers neue Kleider".

Dafür wird es für ihn ein Wiedersehen mit einigen früheren RLT-Kollegen geben: Andreas Furcht ("Volksfeind") und Marco Luca Castelli ("Fetzer") gehören dazu.

Und das Jürgen Eick auch am Kaspar-Hauser-Stoff nicht vorbeikommen wird, ist sowieso klar. Der Blick aus seinem Intendantenzimmer am Hofgarten wird ihn ständig daran erinnern. Er schaut nämlich direkt auf den Gedenstein für das 1833 in Ansbach ermordete berühmte Findelkind.

(NGZ)