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Neuss: Theater-Kauffrau am Bass

Neuss : Theater-Kauffrau am Bass

Theresa Engelsberg ist der erste Azubi am RLT, der über das Freiwillige Soziale Jahr zur Ausbildungsstelle kam. Doch auch ihre künstlerische Ader fiel auf und kommt am RLT zum Einsatz: Sie spielt E-Bass in der Theater-Band.

Im Leben von Theresa Engelsberg sind in den vergangenen Monaten einige Dinge passiert, mit denen die 20-Jährige nie gerechnet hätte. Als sie im Bewerbungsgespräch für ihr Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) am Rheinischen Landestheater (RLT) erwähnte, dass sie E-Bass spielt, ahnte sie nicht, dass sie bald mit dem Theaterensemble bei Inszenierungen wie der "Blind Date"-Reihe auftreten würde. Und als sie ihr FSJ im vergangenen Jahr begann, erst recht nicht, dass sie bleiben würde – als Auszubildende.

Theresa ist die erste FSJlerin, die es geschafft hat, in eine Ausbildung am Theater zu rutschen. Drei Jahre lang wird sie zur Veranstaltungskauffrau ausgebildet. Auch das ist für das Haus selbst neues Terrain. Controllerin Beatrice Rafelt machte extra eine Zusatzqualifikation, um Theresa ausbilden zu dürfen. "Es hat einfach gepasst – mit Theresa und uns", erklärt Christiane Schmücker, Leiterin PR und Marketing, den für das Theater ungewöhnlichen Schritt. In ihrem FSJ lernte Engelsberg ein Jahr lang den Theater-Betrieb aus allen Blickwinkeln kennen, hauptsächlich jedoch arbeitete sie im Künstlerischen Betriebsbüro (KBB) mit Disponent Kai Wolters zusammen.

Das KBB ist die organisatorische Schaltzentrale eines Theaters. Dort rufen die Schauspieler an, wenn sie krank sind oder ihre Urlaubsplanung absprechen wollen, dort werden die Tagespläne gemacht und Techniker laufen dort auf, um zu den Orten der "Abstecher" (Gastspiele mit kompletter Ausstattung in anderen Städten), Details zu erfragen. Die Schauspieler kennt Theresa mittlerweile auch deshalb gut, weil Kai Wolters sie spontan fragte, ob sie Lust hätte, in der Theater-Band mitzuspielen. In ihrer Heimat spielt Theresa in einer Band, mit der sie auf Hochzeiten und anderen Veranstaltungen auftritt. "Selbst die Leute bei uns, die nicht im künstlerischen Bereich arbeiten, wie eben im Controlling, haben oft eine künstlerische Ader", sagt Schmücker. Das gilt auch für Beatrice Rafelt. Die Frau, die die Buchhaltung des gesamten Theaters im Auge hat, leitet nebenbei den Chor.

Seit dem 1. August ist Theresa, die aus Ibbenbüren in der Nähe von Osnabrück kommt, offiziell Azubi und lernt derzeit bei Rafelt im Controlling.

Die Frage, ob das Theater die junge Frau nach den drei Jahren eventuell übernehmen kann, haben sich beide Seiten längst noch nicht gestellt. "Ich mache das jetzt erst einmal und dann sehen wir weiter", sagt Theresa, die es aber auch als Wert ansieht, sich noch einmal zu verändern. Damit ist sie auf jeden Fall bereits in der Branche angekommen: "Es ist ein Muss, mal die Häuser zu wechseln, um sich weiter zu entwickeln", sagt Schmücker. Ihre Kollegin Rafelt drückt das mit dem plakativen Satz "Jeder muss mal Zigeuner sein" aus. Angst hat Theresa davor nicht, im Gegenteil. Jetzt aber gehört sie für drei weitere Jahre erst mal ans RLT.

(NGZ)