Feuilleton: Textcollage zur Jugendkultur

Feuilleton : Textcollage zur Jugendkultur

Neuss "Wir wollen eure Geschichten über die Abgründe eurer Stadt, über merkwürdige Begebenheiten, Verrücktes!" Entweder gibt es keine, oder sie lohnen nicht, den Computer hochzufahren. Jedenfalls hat der Aufruf des Theaters am Schlachthof (TaS) an Neusser Jugendliche, für das Theaterprojekt "Neuss Underground" Texte und Ideen einzureichen, nicht die erwünschte Wirkung gezeigt.

Neuss "Wir wollen eure Geschichten über die Abgründe eurer Stadt, über merkwürdige Begebenheiten, Verrücktes!" Entweder gibt es keine, oder sie lohnen nicht, den Computer hochzufahren. Jedenfalls hat der Aufruf des Theaters am Schlachthof (TaS) an Neusser Jugendliche, für das Theaterprojekt "Neuss Underground" Texte und Ideen einzureichen, nicht die erwünschte Wirkung gezeigt.

"Am Anfang kam kaum etwas", erinnert sich TaS-Geschäftsführer Reinhard Mlotek, der daraufhin mit Projektleiter Nadim Hussain "durch die Jugendeinrichtungen getingelt ist" und für das Vorhaben geworben hat. Eine derart allgemeine Ausschreibung, so haben die beiden inzwischen auch gelernt, wird vom TaS nicht wiederholt: "Man muss die Jugendlichen schon persönlich ansprechen."

Das immerhin hat dazu geführt, dass beim ersten Treffen doch eine ansehnliche Anzahl von Interessenten zusammenkam. Aber: "Aber alle dachten, sie bekommen ein Stück vorgesetzt und werden das einstudieren", hat Hussain feststellen müssen und schwankt heute noch, obwohl es längst ein aufführungsreifes Stück gibt, zwischen Lachen und Erstaunen. "Eine Momentaufnahme der Jugendkultur mit dem Fokus auf Neuss", wie es Mlotek formuliert, ist dennoch dabei herausgekommen.

Zum einen, weil die Gruppe von etwa acht Jugendlichen, die über die lange Vorbereitungszeit bei der Stange blieben, es auch zu eigenen Texten gebracht hat (von Dennis Palmen und Sarah Simone Clemens); zum anderen, weil sie von zwei Musikgruppen verstärkt wird, die einen ganz eigenen Aspekt in das Projekt einbringen: A Virgin's Misscarriage, der aktuelle Rockförderpreisträger, und Rough Guys. "Ihre Musik ist ein eigener Bestandteil", erklärt Hussain, "aber wird szenisch eingebunden".

Das Thema des Abends dreht sich um alle möglichen Spielarten von menschlicher Berührung. Weniger im körperlichen als im moralischen Sinne, denn es geht um Dinge, die niemanden kalt lassen: Mobbing, Jugendpolitik, Entfremdung ... "Mir war es wichtig, dass die Jugendlichen emotional an die Sache herangingen", sagt Hussain, der den Text um Auszüge aus Stücken versierter Theaterautoren wie Gesine Danckwart, Igor Bauersima oder Xavier Durringer bereichert hat. "Und das war der schwerste Teil der Arbeit."

In Workshops haben die (ausgebildeten) TaS-Schauspieler Jens Kipper und Ilva Melchior die Jugendlichen auf ihren Auftritt vorbereitet. Die Choreografin Stefanie Rahn ("Sie haben heut abend Gesellschaft") hat den Abend um tänzerische Elemente ergänzt.

(NGZ)