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Telefonseelsorge Neuss rechnet Weihnachten mit mehr Anrufen und Mails

Angebot in Neuss : Telefonseelsorge steht bereit

Wegen Corona-Regeln zu Weihnachten wird mit mehr Anrufen und E-Mails als in anderen Jahren gerechnet. Ein Grund: Einsamkeit spielt eine größere Rolle als üblich.

An einem „normalen“ Weihnachtsfest ist die Zahl derjenigen, die sich bei der Telefonseelsorge melden, in der Regel nicht höher als an anderen Tagen. „Die meisten feiern mit ihren Familien oder Freunden. Heißt, das Thema Einsamkeit spielt dann nicht eine so große Rolle“, sagt Kathrin Stoll, stellvertretende Leiterin der Telefonseelsorge Neuss. Das, so glaubt sie, könne in diesem Jahr anders sein. Denn viele werden wegen der Pandemie und der angeordneten Schutzmaßnahmen die Feiertage allein zu Hause verbringen müssen. Dennoch werden nicht mehr ehrenamtliche Helfer eingesetzt werden können. „Wir haben aber eine Kooperation mit Solingen, Wuppertal und Düsseldorf“, sagt Stoll. Heißt: Wer in Neuss nicht durchkommt, wird automatisch weitergeleitet. Ein Ansprechpartner ist für Hilfesuchende somit auf jeden Fall da.

10.700 telefonische Kontakte hat es in diesem Jahr bis zum 22. Dezember gegeben, 2019 waren es insgesamt 10.534. Darüber hinaus gab es 2020 bis zum Stichtag 1066 Mail-Kontakte. Das Angebot der Mail-Seelsorge wurde in Neuss erst im vergangenen Sommer etabliert, rund 500 Frauen und Männer nahmen es 2019 wahr. „Wir gehen davon aus, dass sich in Zukunft immer mehr per Mail an uns wenden werden, weil es noch anonymer ist als mit jemandem zu sprechen“, sagt Stoll. Dafür aber müssen auch mehr Mitarbeiter ausgebildet werden. Von den aktuell 62 sind es bis jetzt neun, die per Mail beraten. Dass in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie eine Mitarbeiterschulung ausfallen musste, bedauert Kathrin Stoll sehr. Denn „Neue“ sind immer willkommen und werden auch gebraucht, um eine Seelsorge rund um die Uhr an sieben Tagen anbieten zu können. Per Mail ging es bei der Telefonseelsorge Neuss 2020 vor allem um depressive Stimmungen (45,5 Prozent) und Selbstmordgedanken (21,3 Prozent).

Für den 20. Februar ist eine Info-Veranstaltung für künftige Mitarbeiter der Telefonseelsorge im Edith-Stein-Haus geplant. Ist das vor Ort nicht möglich, wird sie digital angeboten.