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Neuss: Taschenprojekt hilft Familie in Vietnam

Neuss : Taschenprojekt hilft Familie in Vietnam

Karola Jansen adoptierte einen Jungen aus Vietnam und lernte so die Armut dort kennen. Mit Taschen aus Recycling-Kunststoff, die sie unter fairen Bedingungen dort produzieren lässt, sichert sie das Auskommen einer Familie.

Ganz kleine für das Butterbrot im Kindergarten, mittlere als Handtasche oder für den Einkauf, große als Zeitungsbox oder Wäschesammler: In einem Raum im Haus von Karola Jensen stapeln sich Taschen in jeder Größe und für jeden Zweck. So unterschiedlich sie sind, haben sie doch alle zwei Dinge gemeinsam: Sie bestehen aus Recycling-Kunststoff und wurden in Vietnam von Hand geflochten. Wer einen der bunten Behälter kauft, unterstützt damit eine Familie in Ho-Chi-Minh-Stadt, dem früheren Saigon.

"Derzeit fertigen acht Familienmitglieder die Taschen für uns an", berichtet Karola Jensen, die mit ihrem Mann Thomas Kriebel und den Söhnen Thorn (15) und Peer (13) in Norf lebt. Die Muster und Farbvorschläge entwickelt sie zu Hause am Computer und schickt sie per Internet nach Ho-Chi-Minh-Stadt.

Mit Chien, einem erwachsenen Sohn der vietnamesischen Familie, wird im nächsten Schritt über Skype besprochen, wie viele Exemplare von welchem Prototyp geflochten werden sollen. Aus bunten Plastikbändern entstehen dann die individuellen und laut Jensen "sehr langlebigen und strapazierfähigen" Taschen, die auf Stadtfesten, dem Norfer Weihnachtsmarkt, über einen Hofladen in Allerheiligen und von zu Hause aus verkauft werden.

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"Wir legen großen Wert darauf, dass keine Kinder in den Produktionsprozess einbezogen werden, und dass die Familie fair bezahlt wird", betont Thomas Kriebel. Früher habe die Familie in sehr ärmlichen Verhältnissen gelebt, durch die Taschenproduktion gehe es ihr nach eigenen Aussagen gut.

Dass die beiden sich gerade in Vietnam engagieren, hat einen persönlichen Grund: 2003 adoptierten sie dort ihren jüngeren Sohn Peer und sahen auf dieser Reise mit eigenen Augen, in welcher Armut viele Menschen leben müssen. "Uns geht es hier gut, daher möchten wir einen Beitrag leisten in dem Land, aus dem unser Sohn stammt", erklärt die 52-Jährige. Durch die Adoption lernten sie andere Eltern von vietnamesischen Adoptivkindern kennen, die sich zu dem Verein "Regentropfen" zusammengeschlossen haben und ehrenamtlich das asiatische Land unterstützen.

Bei Edith Kerber aus dem Vorstand des Vereins sah Karola Jensen zum ersten Mal die bunten Taschen, die ihr auf Anhieb gut gefielen. "Ich nehme mal 50 Stück", teilte sie ihr mit. Weil die ersten 50 Exemplare dann "weggingen wie warme Semmeln", beschloss die Personalleiterin eines Düsseldorfer Unternehmens, mehr zu ordern und im Lagerverkauf zu vertreiben. Inzwischen ist sie selbst auch ein Fan der handgeflochtenen Unikate geworden: "Ich benutze sie als Wäschesammler oder zur Aufbewahrung von Handtüchern im Bad und nehme auch eine regelmäßig mit ins Büro", erzählt sie.

Für ihren Sohn Peer sind die Taschen nicht der einzige Kontakt zu seinem Herkunftsland: "Wir lesen viel über Vietnam, informieren uns über das Internet und schauen uns gemeinsam Filme an", erzählt seine Mutter.

Im nächsten Jahr steht eine ganz besondere Reise an: "Wir fliegen gemeinsam nach Vietnam und besuchen dort auch die Familie, die die Taschen herstellt."

(NGZ)