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Neuss: TaS-Chef startet mit einer Uraufführung

Neuss : TaS-Chef startet mit einer Uraufführung

Theater mit kabarettistischem Zungenschlag und Kabarett mit szenischem Spiel – unter dieser Prämisse hat Markus Andrae den Spielplan für das Theater am Schlachthof zusammengestellt. Das Haus öffnet morgen mit einem Gastspiel.

Seine erste Saison als Theaterleiter war mehr vom Ausprobieren bestimmt. "Jetzt will ich konsolidieren und im Sinne der gemachten Erfahrungen ein Programm etablieren, das auch zur Marke des Theaters am Schlachthof werden könnte", sagt Markus Andrae, der seit Februar 2012 die künstlerische Arbeit des TaS verantwortet und nun den Spielplan seiner zweiten kompletten Saison vorlegt.

Acht Premieren, dazu diverse Wiederaufnahmen – Andrae bringt weniger Neues als sein Vorgänger, der verstorbene Reinhard Mlotek, weil er es für wichtiger hält, jeder Produktion mehr Zeit einzuräumen. Sowohl für die Erarbeitung wie auch für die Vorstellungen – zumal da "die Saison durch die Fußball-WM ohnehin kürzer, Karneval sehr viel später also sonst ist", sagt er. "Da habe ich lieber auf eine Produktion verzichtet." Und verschmitzt gibt er zu, dass er diese Entscheidung auch mit Blick auf die übernächste Spielzeit traf: "Da wird das TaS 20 Jahre alt, was wir natürlich richtig feiern werden. Und so will ich jetzt zwar Marken setzen, aber mein Pulver auch noch nicht verschießen."

Die erste Premiere ist dafür gleich eine Uraufführung und gibt die Richtung vor, in der das TaS gehen will. "Affären mit Schmidt" heißt das von Andrae geschriebene Stück, bei dem er auch Regie führt, und es will zusammenführen, was im TaS bislang noch nicht recht zusammen gehörte: das Publikum des Theaters mit dem des Kabaretts. Während das Kabarett mit Formaten etwa wie der überaus erfolgreichen "Rathauskantine" schon stark in Richtung szenisches Spiel gehe, sagt Andrae weiter, müsse das Theater noch umgekehrt in Richtung Kabarett geführt werden. Und so hat er auch mit Raymond Cousse's Stück "Strategie eines Schweins" (ab November) gleich eine Satire auf den Spielplan gesetzt.

Ebenfalls an die Erfolge der vergangenen Saison knüpft der neue Musikabend "Duett auf dem Vulkan" an, der vor dem Hintergrund des Ersten Weltkriegs spielt. Auch dabei wird Andrae als Autor auftreten, gemeinsam mit Ralf Borgartz, und beide zusammen wollen den Abend zu einem "musikalischen Sittenbild" ausmalen: "Das könnte auch ein Kabarettpublikum interessieren."

Für dieses bleibt die "Rathauskantine" des TaS-Eigengewächses Triotop sicher das Aushängeschild, auch wenn das Format künftig nur alle drei Monate zu sehen sein wird – dafür aber mit sechs Vorstellungen. "Wir sind uns sicher, dass das für die Zuschauer und für das Ensemble sinnvoller ist", sagten Andrae und Dennis Prang als Tas-Sprecher und Triotop-Mitglied. Beide freuen sich indes, dass die "Rathauskantine" auch andernorts gefragt ist. So gab es Kooperationen mit dem Stadtarchiv, und Prang fragt lachend – und mehr rhetorisch: "Warum sollen wir nicht auch mal im Rathaus selber spielen?"

Auch die für das TaS nicht minder wichtige Klientel der jungen Zuschauer wird bedient. Etwa mit einer "Frau Holle"-Variation von Dennis Palmen ("Als Frau Holle den Schnee verlor") und einer Neubearbeitung von "Heidi" von Stefan Filipiak. Der Jugendclub beschäftigt sich wieder mit Kabaretttheater, Bodo Wartkes "König Ödipus", und an schreibbegeisterte Laien richtet sich ein Projekt von Dennis Palmen zusammen mit professionellen Theaterautoren: "Ikarus – hoch hinaus". Für die ganz Kleinen (ab drei Jahre) gibt es eine Neuauflage der "Neugierigen kleinen Hexe" von Martin Maier-Bode.

Daneben stehen bewährte Gäste auf der TaS-Bühne. Sabine Wiegands "Rosi" spielt das Haus zum Auftakt der Saison morgen und am Freitag wissermaßen warm; Markus Veith etabliert das Literaturtheater am TaS mit seinem Wilhelm-Busch-Soloabend "Ein jeder Narr tut, was er will" am Samstag, und Anke Jansen zeigt am Sonntag ihre Hommage an Hildegard Knef. Karten gibt es unter 02131 277499.

(NGZ)