Tanztheater mit Choreographin Johanna Richter zeigt "For you my love" in Neuss

Schakespeare-Festival Neuss : Johanna Richter lässt im Globe die Männer tanzen

Am Freitag heißt es im Neusser Globe „For you my love“. Das Tanztheater der Münchner Choreographin Johanna Richter feierte seine Premiere vor drei Jahren. Fünf Performer (drei Schauspieler und zwei Tänzer) reisen in die Welt von Shakespeares Werken.

In allen Facetten des Tanztheaters bringen sie die Geschichten der klassischen Helden auf die Bühne: zeitgemäß, radikal, humorvoll und spontan. Warum nur männliche Darsteller? Johanna Richter lacht bei dieser Frage: „Das war doch schon zu Shakespeares Zeiten so. Damals gab es den sogenannten Damendarsteller, Frauen waren nicht erlaubt auf der Bühne.“

Den Kontakt mit dem Globe hatte sie schon länger gesucht und schließlich über den bisherigen Festivalleiter Reiner Wiertz und die Dramaturgin Vanessa Schormann gefunden. Wer im Internet sucht, findet das Stück mit einem recht aufwändigen Bühnenbild, das aber bei Gastspielreisen nicht mit kommt. „Wir haben das Credo, dass wir überall, wo wir hinkommen, eine dort passende Fassung kreieren. Wir schauen zunächst, was der Raum selber kann. Ich war vor einigen Wochen in Neuss und weiß daher genau, worauf wir uns einlassen müssen.“ Inspiriert ist der gut 90-minütige Abend von sechs Shakespeare-Stücken, die im Mikrokosmos der Familie beginnen: Romeo und Julia, Hamlet, König Lear, Othello, Macbeth, Richard III. „Es ist nicht so, dass wir die Stücke genau voneinander trennen. Vielmehr verschmelzen sie ineinander. Die Performer werden mehr und mehr in den Strudel der Macht hineingerissen. Sie verlieren sich zusehends in den Geschichten. Schließlich bildet jeweils der Tod die Grenze zwischen den Handlungsteilen. Das ist wie ein unheilvoller Kreislauf.“

Ob sich durch diese Interpretation eine mögliche Lösung von Konflikten zeigt, will die Choreographin und Regisseurin nicht bewerten. „Es ist auch für die Darsteller immer wieder dasselbe Erlebnis, dass man alle Figuren am Boden hat. Das Ganze soll auf die Zuschauer wie ein Sog wirken. Ist das erste Stück vorbei, folgt das zweite fast notwendigerweise.“ Unter den fünf Männern ist der aus der Serie „Sturm der Liebe“ bekannte Saša Kekez, sowie Tim Bergmann. Der 1972 in Düsseldorf geborene TV-Allrounder ging in Grevenbroich aufs Gymnasium, bevor er an der Otto-Falckenberg-Schule zum Schauspieler ausgebildet wurde. Mittlerweile spielt Bergmann tragende Rollen in allen möglichen Fernseh-Krimiserien, darunter den Chefermittler im „Taunuskrimi“. Vor über 20 Jahren hat er tatsächlich schon einmal auf der Globe-Bühne an der Rennbahn gestanden, als seine Münchner Schauspielschule dort mit Goldonis „Krach in Chiozza“ gastierte.

(CC)
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