Talk am Pegel in Neuss Einblicke in die Energie der Zukunft

Neuss · Die Gas- und Stromkrise wurde jetzt bei der siebten Auflage des Formats „Talk am Pegel“ zum Thema gemacht – doch es gab dabei auch positive Nachrichten.

Über Wege aus der Energiekrise diskutierten (v.l.): Serena Becker, Jürgen Steinmetz, Katherina Reiche, Jörg Geerlings und Ines Stefan.

Über Wege aus der Energiekrise diskutierten (v.l.): Serena Becker, Jürgen Steinmetz, Katherina Reiche, Jörg Geerlings und Ines Stefan.

Foto: Wolfgang Walter

zum siebten Mal lud der Landtagsabgeordnete Jörg Geerlings (CDU) jetzt zum „Talk am Pegel“. Er hatte diesmal zum Thema „Wege aus der Energiekrise“ gemacht. Wenn auch in vollbesetzter Pegelbar am Zollhafen so niemand richtig daran glaubte, dass der Abend definitive Wege zum jetzigen Zeitpunkt aus der Krise aufzeigen würde, so gestaltete sich die Diskussion außerordentlich spannend.

Das lag vornehmlich an Katherina Reiche (49): Die Diplom-Chemikerin und ehemalige CDU-Politikerin ist seit drei Jahren Vorsitzende des Vorstandes der Westenergie AG und etwas länger Vorsitzende des Wasserstoffrates der Bundesregierung. Prompt sieht sie in ihrem Vortrag den Wasserstoff als eine Energie mit Zukunft: „Weltweit werden wir den Anstieg an Wasserstoff sehen. Die Digitalisierung haben wir schon verstolpert, beim Wasserstoff müssen wir die Konkurrenz, etwa in den USA und Norwegen, genauestens berücksichtigen.“

Die Gesellschaft befinde sich in einer „Permakrise“, wie sie sagt, die weit über die Pandemie, den Klimawandel, den Krieg in der Ukraine und etwa die Inflation hinausgeht. Sie warnte davor, bei sinkenden Strompreisen zuzuschlagen: „Sparen ist weiterhin angesagt. Die Preise werden deutlich höher bleiben als vor der Krise.“

Auch wenn „die Operation am offenen Herzen alles andere als trivial“ sei, blickt Katherina Reiche mit Optimismus in die Zukunft. Einen „Blackout“ hält sie für ausgeschlossen, Innovationen und hochqualifizierte Beschäftigte würden die Energiekrise in den Griff bekommen, sauber und bezahlbar. Voraussetzung sei allerdings, dass die EU zum Thema „Energiesicherheit“ eine schnelle Antwort finde.

Gleichermaßen forderte Jürgen Steinmetz, der Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein, Versorgungssicherheit zu bezahlbaren Preisen: „Wir sind als Tagebau- und Kraftwerksstandort besonders betroffen.“ Zudem müss der Strukturwandel mehr Tempo erfahren, Planungs- und Genehmigungsverfahren beschleunigt werden. Jürgen Steinmetz schlug dazu eine „Wirtschaftssonderzone“ vor. Ausdrücklich lobte er das neue Förderprogramm „Zukunftsgutscheine Rheinisches Revier“. Die Rechtsanwältin Inès Stefen plädierte für mehr Pragmatismus und weniger Ideologie. Wie geht‘s dabei den Menschen? Aus ihrem Alltag berichtete Serena Becker, die Geschäftsführerin des Sozialdienstes katholischer Männer (SKM): „Die Überschuldung ist gewachsen. Wir haben keine Angebote für Kinder, ohne zugleich eine Mahlzeit zu reichen.“ Bewährt habe sich das System, Fragen schriftlich zu stellen. „Wir hatten noch nie so viele Fragen“, sagte Jörg Geerlings und sagte zu, alle zu werten, auch die, die nicht mehr im Plenum behandelt werden konnten.

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