Neuss Taktung von Bus und Bahn beschäftigt Politik

Neuss · Zufrieden mit dem ÖPNV-Angebot ist keine Partei. Ihre Ideen setzen an unterschiedlichen Punkten an.

Die Rheinbahn setzt seit einigen Tagen auf der Straßenbahnlinie 709 größere Wagen ein, die Linie 704 aber bekommen die Neusser nicht zurück - trotz aller Bemühungen einiger Parteien. Das Beispiel zeigt die Grenzen politischer Handlungsspielräume beim Thema Öffentlicher Personen-Nahverkehr (ÖPNV) auf. Egal, ob es um bessere Linienverbindungen im Neusser Süden oder eine Verlängerung der Linie 709 ins Hammfeld geht - wer Verkehrspolitik machen will, muss dicke Bretter bohren. Aber, welchen Zuschnitt muss ein attraktives ÖPNV-Angebot überhaupt haben?

CDU Vor allem der Initiative der CDU sei es zu verdanken, dass die Einrichtung eines Regiobahn-Haltestelle Morgensternsheide in greifbare Nähe gerückt ist. Für die Partei ist das "ein Schritt in die richtige Richtung". Daneben müsse die Erreichbarkeit der Innenstadt, aber auch der einzelnen Ortsteile durch eine gute Busanbindung abgesichert werden. "Die Buslinie 874 wird jetzt an den S-Bahnhof Norf angebunden, für die Anbindung des S-Bahnhofs Allerheiligen arbeiten wir an einer Lösung", hält die Partei fest. Mit der Entwicklung neuer Baugebiete oder der Ansiedlung wichtiger Einrichtungen gebe es immer wieder Veränderungsbedarf. Dann müssten Linienführungen und Taktungen angepasst werden.

SPD Ein attraktives Angebot im Nahverkehr muss sicher, zuverlässig und preisgünstig sein, betont die SPD. Dazu müssten die Stadteile besser miteinander vernetzt werden - Stichwort Ringlinie im Neusser Süden - und das Angebot für etwa 25 000 Berufspendler zwischen Neuss und Düsseldorf verbessert werden. Auch die günstigere Preisstufe A müsse wieder für alle Fahrten zwischen beiden Städten eingeführt werden. Die Straßenbahn will die SPD durch das Hammfeld bis zum Handweiser verlängern.

FDP Der Zeittakt der Busverbindungen der Ortsteile in die Innenstadt sowie der Einsatz von Zusatzwagen in Stoßzeiten ist für die FDP entscheidend. Dabei gelte es nachzubessern. Dass samstags die Innenstadt "straßenbahnfrei" zu erleben ist, zeigt den Liberalen, dass diese kein Muss ist. Als saubere Lösung regt die FDP den - kostenfreien - Einsatz von kleinen (Elektro)-Shuttlebussen mit vielen Haltestellen in der Innenstadt an.

Grüne Die Straßenbahnlinien sind aus Sicht der Grünen unverzichtbarer Bestandteil des ÖPNV-Netzes. Die Verlegung der Linie 709 über den Alexianerplatz ist eine langjährige Forderung von ihnen und würde die Benutzung weiter steigern, sind sie überzeugt. Die Busverbindungen im Neusser Süden müssten der wachsenden Bevölkerung entsprechend ausgebaut werden, die Taktzeiten nicht weiter ausgedünnt werden.

Linke Die Infrastruktur des Nahverkehrs muss erweitert werden, betont die Linke, aber das reiche nicht. Mobilität müsse auch bezahlbar sein. Für viele Hartz-IV-Bezieher und Geringverdiener sei der öffentliche Nahverkehr zu teuer. Während im Regelsatz für diese Menschen nur 15 Euro monatlich für Mobilität enthalten sind, kostet das VRR-"Sozialticket" 30 Euro. Eine Mogelpackung, kritisiert die Linke, die mittelfristig einen ÖPNV zum Nulltarif fordert.

(NGZ)