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Neuss: Tag der Heimat erinnert an Deportations-Erlass

Neuss : Tag der Heimat erinnert an Deportations-Erlass

Sie sangen das Schlesierlied und das Lied vom "Land der dunklen Wälder" Ostpreußen, doch an erster Stelle stimmte der Chor "Neusser Stimme" die Weise an "Nordrhein-Westfalen – wunderschönes Land."

Sie sangen das Schlesierlied und das Lied vom "Land der dunklen Wälder" Ostpreußen, doch an erster Stelle stimmte der Chor "Neusser Stimme" die Weise an "Nordrhein-Westfalen — wunderschönes Land."

Das war zum Auftakt einer Feierstunde, zu der die Landsmannschaften in der Kreisgruppe Neuss des Bundes der Vertriebenen (BdV) am gestrigen "Tag der Heimat" ins Zeughaus eingeladen hatten, ein Bekenntnis für sich.

Denn so drückte sich schon im Lied aus, was anschließend alle Redner unterstrichen: Flucht und Vertreibung der Menschen aus den deutschen Ostgebieten sind nur die eine Seite der Medaille. Die Chance auf einen Neuanfang und vor allem ihr Beitrag zum Aufbau eines demokratischen Deutschland im Westen gehören untrennbar dazu.

"Dass aus einem indifferenten Nebeneinander eine Gemeinschaft wurde, ist mit Ihr Verdienst", formulierte denn auch Georg Nellen, Brudermeister der Norfer St. Andreasbruderschaft, an die Adresse der gut 200 Teilnehmer dieser Veranstaltung. Nellen hielt auf Einladung des BdV-Kreisvorsitzenden Jürgen Kuntze die Festrede. Er tat das nicht nur mit dem Hinweis auf familiäre Bezüge, sondern fand Beispiele aus Norf, wo seiner Überzeugung nach die Vertriebenen von einst das Dorfleben besonders mitprägten und prägen. Wie der Jägerzug "Froh und heiter", 1948 nur von Flüchtlingen gegründet.

Alexander Kühl, Sprecher der Deutschen aus der ehemaligen Sowjetunion, sprach ein anderes Kapitel der Geschichte der Deutschen im Osten an, als er an den Stalin-Erlass vom 21. August 1941 erinnerte. Diese Weisung hatte nicht nur die Deportation der in der Sowjetunion lebenden Deutschen zur Folge, sondern leitete, so Kühl, "die totale Vernichtung deutscher Kultur in Russland ein". Daran sei gerade am 70. Jahrestag zu erinnern. Es sei aber zu wenig, sagte Kühl, "dass über diese Deportation und deren Folgen immer nur die Betroffenen sprechen."

(NGZ)