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Syrischer Maler stellt im Neusser Atelierhaus aus

Ausstellung in Neuss : Syrischer Maler stellt im städtischen Atelierhaus aus

Am Donnerstag eröffnet der kurdische Künstler Waleed Ibrahim seine erste Einzelausstellung.

Er hat sein Atelier in Willich, wo er auch mit seiner Familie lebt, aber morgen ist er in Neuss: Im Atelierhaus Hansastraße eröffnet Waleed Ibrahim seine erste Einzelausstellung in Deutschland. Unter dem Titel „Hoffnung“ stellt der 53-Jährige, der in Damaskus Kunst studiert hat, Bilder aus, auf denen kurdische Frauen zu sehen sind. „Die Intensität der Farben, die Pracht der Gewänder und Blüten lassen den Betrachter erst auf den zweiten Blick die Traurigkeit und Verzweiflung in den Gesichtern erkennen“, erklärt die Willicher Künstlerin Beate Krempe, die Ibrahim seit knapp drei Jahren kennt und betreut.

Die Farbenpracht ist nicht nur auf den ersten Blick enorm. Mitunter sieht es aus, als ob über und hinter den Frauen Konfettikanonen explodieren: Frauen in mondänen Kleidern, hochstilisiert zu kleinen Königinnen, sogar mit transparenter Bekleidung – das alles hätte der Kurde aus Syrien in einem islamischen Land niemals ausstellen dürfen. Der Wunsch, der immer bedrohlicher werdenden Enge zu entfliehen, wird auch unter diesem Aspekt nachvollziehbar.

Kulturamtsleiter Harald Müller schwärmte von einer „ganz tollen Malerei“ und davon, dass „die Diversität in der Kultur unsere Gesellschaft bereichert“. Dem Künstler dürfte es in erster Linie um eine Hommage an die kurdischen Frauen gehen – die Frauen mit dem traurigen Blick und den wenigen Rechten, die zum Teil zu Kämpferinnen wurden. Eine davon ist im Kampf gefallen. Falls das Bild, auf dem diese Frau zu sehen ist, verkauft wird, wird Waleed Ibrahim den Erlös an ihre Familie überweisen.

Es ist ein zum Teil flirrendes Farbenmeer, das der 53-Jährige vor allem mit Acrylfarben auf die Leinwand gebannt hat. Bei einigen Bildern geben ein Feuerrot und ein Yves-Klein-Blau den Ton an. Ibrahim, der als das mittlere von elf Kindern aufwuchs, arbeitet auch mit Symbolen – wie Pfauen und Rebhühner.

Ein Bild fällt aus dem Rahmen: Motiv ist auch eine Frau, aber die Malweise ist weniger gegenständlich, ein Balken vor den Augen versperrt der Frau den Blick. Ein anderes Bild strahlt Bedrohliches aus: Kämpferinnen rammen eine Flagge des IS in den Boden, sie stehen da wie auf einer beleuchteten Bühne, während sich im Hintergrund ein Unwetter gewaltigen Ausmaßes zusammenzubrauen scheint.

Wenn ihn die Sehnsucht packt, malt Waleed Ibrahim auch abstrakte Landschaftsimpressionen. Arbeiten, die er vielleicht sogar in seiner Heimat ausstellen dürfte. Sie zeigen den „Kurdischen Frühling“ und stehen wohl sinnbildhaft für den Wunsch, dass es Frieden und Freiheit geben möge.

Info Hansastraße 9, Eröffnung Donnerstag, 13. September, 19 Uhr, bis 23. September, mittwochs, 17-20 Uhr, samstags, 15-18 Uhr, sonntags, 11 -17 Uhr