Neuss: SWN wollen Stromnetz künftig selbst betreiben

Neuss: SWN wollen Stromnetz künftig selbst betreiben

Der RWE-Konzern steigt sukzessive aus dem Stromgeschäft in Neuss aus. Die SWN werden aber die Mitarbeiter übernehmen.

Die Stadtwerke bereiten sich darauf vor, in fünf Jahren das Stromgeschäft in der Stadt komplett zu übernehmen. Stromerzeuger- und Anbieter ist die Stadtwerke Neuss Energie und Wasser GmbH (SWN) als Grundversorger schon, jetzt soll das Unternehmen "näher ans Netz", wie es SWN-Geschäftsführer Heinz Runde formulierte — und an das Geld, das damit zu verdienen ist.

Aber das geht nur Schritt für Schritt. Ein erster — und vielleicht der wichtigste — wurde gestern getan, als zwei Verträge unterzeichnet werden konnten. Zunächst verlängerte die Stadt den Stromkonzessionsvertrag mit den Stadtwerken um weitere 20 Jahre. Dieser "Wegebenutzungsvertrag", mit dem die Stadt den SWN — gegen Zahlung von 7,4 Millionen Euro jährlich — erlaubt, ein öffentliches Versorgungssystem aufzubauen und zu betreiben, war die Basis für eine Pachtkooperation mit dem Energiekonzern RWE. Damit bleibt RWE auch in den nächsten fünf Jahren Betreiber des Stromnetzes, gibt jedoch sukzessive Aufgaben an die Stadtwerke ab. "Wir müssen da langsam hineinwachsen", sagt Runde, denn die Stadtwerke sind zwar Netzbesitzer, das Know-how zum Betrieb aber fehlt dem Unternehmen (noch). Darüber verfügt RWE.

Dass sich die SWN beim Netzbetrieb anleiten lassen, klingt ein bisschen nach Montessori-Pädagogik: "Hilf mir, es selbst zu tun." Dahinter steht der Wille, die Sicherheit bei der Stromversorgung nicht zu gefährden, andererseits jedoch auch die Unsicherheit über die weitere Entwicklung des RWE-Konzerns. "Wir müssen immer für den Fall gewappnet sein, dass RWE sagt: Wir machen das nicht mehr", erklärt SWN-Geschäftsführer Stephan Lommetz.

  • Radevormwald : Westnetz betreut 312 Kilometer Stromnetz

Mit dem neuen Vertrag ändern sich zunächst die Vorzeichen. Die Stadtwerke bleiben nicht allein Verpächter, sondern werden Auftraggeber. In dem Maße, in dem die SWN selbst das Netz betreiben, übernehmen sie dazu Mitarbeiter von der RWE AG, die über das Tochterunternehmen Westnetz an der Collingstraße ein Regionalzentrum mit 180 Beschäftigten unterhält.

Wie sich das Vertragsverhältnis mit dem Partner RWE nach Ende des Fünf-Jahres-Vertrages gestaltet, bleibt abzuwarten. Runde würde die "Klammer zu RWE" gerne erhalten, Lommetz betont: "Es heißt nicht, dass die Zusammenarbeit dann verändert oder beendet wird." Aber das könnte sein. Auf jeden Fall sollen bis zu diesem Zeitpunkt 40 Prozent der Wertschöpfung, die im Netz zu erzielen sind, bei den Stadtwerken landen. "Dazu gibt es einen klaren Fahrplan", sagte Bernd Böddeling, Vorstand Finanzen bei RWE.

Geld wird mit dem Netz über die Durchleitungsgebühr bezahlt, die die SWN ebenso wie Drittanbieter für den "Stromtransport" an den Netzbetreiber zahlen müssen. Finanziell lukrativ sind auch Investitionen, die — mit einer von der Bundesnetzagentur zu genehmigenden Verzinsung — auf den Strompreis aufgeschlagen werden. Das taucht in der Stromrechnung unter Netzentgelte auf, sagt Runde: "Und wir müssen eine Menge investieren."

(NGZ)
Mehr von RP ONLINE