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Neuss: SWN wollen Gewinn behalten

Neuss : SWN wollen Gewinn behalten

2011 war vom operativen Ergebnis her für die Stadtwerke ein gutes Jahr, doch im Geschäft mit Strom und Gas verlieren sie an Boden. Das Unternehmen neu auszurichten, macht Investitionen nötig – mit einem Teil des Gewinns.

2011 war vom operativen Ergebnis her für die Stadtwerke ein gutes Jahr, doch im Geschäft mit Strom und Gas verlieren sie an Boden. Das Unternehmen neu auszurichten, macht Investitionen nötig — mit einem Teil des Gewinns.

Die Stadtwerke bleiben eine solide wirtschaftende Tochter der Stadt. Sechs Millionen Euro haben die SWN im vergangenen Jahr als Gewinn erwirtschaftet. Etwas weniger als im Jahr zuvor, aber auch in einem schwieriger werdenden Umfeld.

Und weil es nicht einfacher werde, sich an den Märkten zu behaupten, meldet die Geschäftsführung im Gegensatz zu vielen Jahren, in denen der Reingewinn komplett an die Stadt überwiesen wurde, Forderungen an. 40 Prozent davon will sie behalten. "Um sie zu reinvestieren", wie Stadtwerke-Chef Heinz Runde betont. Doch er ahnt, dass ihm der Rat der chronisch klammen Stadt Neuss das Geld nicht kampflos überlassen wird.

"Ich weiß, welche Diskussionen uns erwarten", sagt Runde. Preise erhöhen, Investitionen über Bankkredite finanzieren, das Eigenkapital angreifen: All das könnte die Politik im Ringen um die verfügbaren Millionen vorbringen. Aber Mit-Geschäftsführer Stephan Lommetz ist überzeugt, gute Argumente gegen solche Vorschläge vorbringen zu können.

Eines davon: Der Konzern SWN ist im Umbau begriffen. Jetzt zugunsten von Investitionen verzichten heiße für die Stadt, dauerhaft und verlässlich Einnahmen erwarten zu können. Geschlagen wird diese Schlacht im September.

Die gestern vorgelegte Jahresbilanz macht deutlich, warum die Stadtwerke reagieren müssen: Im Vergleich zum Vorjahr wurden 2011 acht Prozent weniger Strom und 22 Prozent weniger Gas verkauft. Gründe waren in beiden Fällen der milde Winter und Anstrengungen zur Energieeinsparung. Ein anderer: Die Abwanderung von Privat- und Geschäftskunden zur immer zahlreicher werdenden Konkurrenz. Dabei sind Lommetz und Runde überzeugt, dass diese Entwicklung noch nicht am Ende ist.

Die Stadtwerke reagieren. Mit "einem Kampf um jeden einzelnen Kunden", wie Lommetz betont, und auch mit neuen Produkten. Das Contracting, der Betrieb von Heizungsanlagen gegen Entgelt auch in Privathäusern, ist eines davon. 5,5 Millionen Euro trägt die bundesweit agierende Tochter German Contract schon zum Jahresumsatz der SWN in Höhe von 213 Millionen bei. Tendenz steigend.

Strategie der Stadtwerke ist aber auch, die Eigenenergieerzeugung weiter auszubauen, auch im Bereich der regenerativen Energien. Das ist an den Investitionen klar abzulesen. 2010 waren die 18,1 Millionen fast ganz in Sachanlagen investiert worden, 2011 gingen schon drei von 17,6 Millionen in Beteiligungen an Projekten im Bereich Erneuerbare Energien. Die werfen aber erst nach zwei bis drei Jahren Gewinne ab, weiß Lommetz.

Momentan verfolgen die SWN mit einem Einstieg in das Düsseldorfer Kraftwerksprojekt auf der Lausward und dem Bau von Windkraftwerken im Neusser Stadtgebiet zwei Projekte vor der eigenen Haustür. Beim Thema Lausward erwarten die Stadtwerke bis zum Jahresende ein konkretes finanzielles Angebot aus Düsseldorf. Und beim Thema Windkraft geht es am 23. August mit einer Bürgerinformation im Zeughaus weiter.

(NGZ/rl)