Folgen von Sturmtief „Kirsten“ in Neuss Dachstuhlbrand in Gruissem - Stadt schließt vorübergehend Sportanlagen und Friedhöfe

Neuss · Fünf Mal musste die Neusser Feuerwehr bislang wegen Sturmschäden ausrücken. Die Einsätze – darunter ein Dachstuhlbrand – verteilten sich auf das gesamte Stadtgebiet. Die Stadt warnte derweil Parks und Wälder zu betreten und schloss als Vorsichtsmaßnahme vorübergehend Sportanlagen und Friedhöfe.

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Gerissene Stromleitung setzt Neusser Dachstuhl in Brand

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Foto: Patrick Schüller

Das Sturmtief „Kirsten“ sorgte in den Morgenstunden für einige Einsätze in der Quirinus-Stadt. Wie Feuerwehrsprecher Christian Franke mitteilt, mussten die Einsatzkräfte drei Mal wegen abgebrochener Äste, ein Mal wegen eines umgestürzten Baumes und ein Mal wegen eines mutmaßlich durch den Sturm verursachten Dachstuhlbrands ausrücken. „Aktuell ist es ruhig. Hoffentlich bleibt das so“, sagte Franke gegen 11.15 Uhr. Das sollte so bleiben: Der bisher (Stand 17.30 Uhr) letzte Einsatz ereignete sich gegen 13.34 Uhr – ein Ast lag auf einer Straße.

Aufwendig war der Dachstuhlbrand im Ortsteil Gruissem. Wie die Feuerwehr erklärt, ist das Feuer mutmaßlich durch einen Kurzschluss ausgelöst worden. Demnach kam es zunächst zur Rauchentwicklung im Sicherheitskasten, woraufhin die Feuerwehr um 5.22 Uhr alarmiert wurde. Als diese vor Ort eintraf, machten die Einsatzkräfte schnell die Ursache aus: Eine zum Haus führende 400 Volt-Freileitung, die vermutlich durch den Sturm gerissen war, hing herab.

Gleichzeitig entwickelte sich eine neue Gefahrenstelle: An der auf dem Dach befindlichen Übergabestation – dort erfolgt die Versorgung des Hauses mit Strom – kam es ebenfalls zu Kurzschlüssen und zu einer Brandentwicklung. Der Dachstuhl fing einseitig Feuer, berichtet Franke. Da die Leitung weiter Spannung führte, wurden die Löscharbeiten erschwert. So war lediglich von außen Wasser auf den Dachstuhl geworfen, ein Einsatz im Inneren konnte nicht erfolgen. „Wir haben den Brand auf eine Seite begrenzen können, die bereits in Flammen stand. Durch die Arbeiten konnten weitere Schäden vermieden werden“, sagt der Feuerwehrsprecher.

Gegen 7 Uhr konnte der Strom abgeschaltet und die abschließenden Löschmaßnahmen durchgeführt werden. Dabei mussten die Einsatzkräfte einen Pendelverkehr einrichten, um die Einsatzstelle kontinuierlich mit Wasser zu versorgen. Denn in ländlichen Gegenden ist die Abdeckung mit Hydranten geringer als in städtischen Bereichen.

Bei den Maßnahmen in Gruissem waren 38 Einsatzkräfte aus mehreren Löschzügen vor Ort. Die Nachlöscharbeiten, durchgeführt vom Löschzug Holzheim und hauptamtlichen Kräften, dauerten bis 10.25 Uhr an. Da die Bewohner das Haus rechtzeitig verlassen konnten, wurden sie nicht verletzt. Beim Einsatz kam auch keiner der Feuerwehrleute zu Schaden. Die Brandstelle wurde an die Bewohner und die Polizei übergeben, die die Brandursachenermittlung einleitet.

Zudem hatte das Sturmtief eine Auswirkung auf die Freizeitbeschäftigung der Neusser. Wie die Stadt am Mittwochmittag mitteilt, sind „als Vorsichtsmaßnahme“ vorübergehend „die städtischen Sportanlagen und städtischen Friedhöfe geschlossen“. „Vorübergehend“ hieß für die städtischen Bezirkssportanlagen bis 17 Uhr; für die städtischen Friedhöfe mindestens der gesamte Mittwoch. Die Stadt gibt an, die Bäume zu kontrollieren und die Anlagen „in den kommenden Tagen“ wieder „sukzessive“ zu öffnen. Gleichwohl sorgten die mit mit Plastikketten versehenen Tore des Hauptfriedhofs für Verwunderung bei den vereinzelten Besuchern. Und auch die „dringende Empfehlung“ der Stadt, während des Sturms keine Wälder und Parks zu betreten (denn dort seien die „waldraumtypischen Gefahren“ vor der aktuellen Wetterlage nicht einschätzbar), nahmen sich einige Bürger nicht zu Herzen: Im Stadtgarten waren viele Bänke besetzt, Spaziergänger führten ihre Hunde Gassi und auf dem Spielplatz spielten Kinder unter Aufsicht ihrer Eltern.

Konträr dazu nahmen einige Erziehungsberechtigten von der Option Gebrauch, dass sie entscheiden konnten, ob ihre Kinder in die Schule gehen sollten. Die Stadt wies am Dienstag darauf hin, dass Eltern bei extremen Wetterlagen entscheiden können, ob der Weg zur Schule sicher und zumutbar ist. An der Pestalozzischule traf das auf 16 Kinder und damit genau fünf Prozent der Schüler zu. Diese Anzahl sei abzusehen gewesen, heißt es aus der Grundschule. Und auch am Gymnasium Norf besuchten über 95 Prozent der 1180 Schüler den Unterricht – trotz des Sturmtiefs. Eine große Anzahl an fernbleibenden Schülern verzeichnet hingegen die Gesamtschule Nordstadt, die insgesamt 1036 Kinder und Jugendliche besuchen. Bis zum Mittag gingen im Sekretariat 143 Anrufe wegen des Sturms ein – „mehr als sonst und mehr als erwartet“, heißt es.

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