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Neuss: Sturmopfer vor Neubeginn

Neuss : Sturmopfer vor Neubeginn

Als vor zwei Wochen das Sturmtief Norina das Dach von ihrem Haus wehte, wurden Tomás und Doris Trueba obdachlos. Sie warten, dass ihr Haus und ihr Lokal wieder aufgebaut werden. So lange leben sie von Erspartem.

Tomás und Doris Trueba warten auf ein bisschen Glück. "Im Moment haben wir eine schwarze Serie", sagt die 62-Jährige. Die begann vor gut zwei Wochen, als eine Böe des Sturmtiefs Norina das Dach von ihrem Haus am Weißenberger Weg riss — und ein Ende der Rückschläge ist nicht in Sicht. Denn während am Dach des Nachbarhauses schon kräftig gearbeitet wird, geht es bei Truebas nicht voran. Ihr Haus bleibt bis auf weiteres gesperrt. "Wir dürfen rein, aber schlafen dürfen wir hier nicht", sagen beide. Seit zwei Wochen campieren sie im Wohnwagen, der in ihrem Garten im Neusser Hafen steht.

Als ihr Dach auf die Josefstraße stürzte und zwei Autos unter sich begrub, lernte das Wirtsleuteehepaar der Gaststätte "Aqui Espana" ("Hier ist Spanien") viel über seine Mitmenschen. Da waren die Nachbarn, allen voran die Familie Tasli vom Kiosk gegenüber, die zu Helfern in der Not wurden. "Fremde wollten uns den Schlüssel für ihre Wohnung geben, damit wir uns etwas hinlegen konnten", schildert Doris Trueba die erlebte Hilfsbereitschaft. Aber sie erlebte auch Anfeindungen durch den Besitzer eines der zerstörten Autos, der noch während die Feuerwehr am Unglückstag die gröbsten Schäden beseitigte für die Schäden an seinem Auto kassieren wollte.

Truebas erlitten den größten Verlust an jenem Vormittag, als Fallwinde große Schäden vor allem auf der südlichen Furth anrichteten. Immerhin: Der vorsorglichen Sperrung des Hauses durch das Amt für Bauordnung wird kein Abriss folgen müssen. Das ergab die Untersuchung durch einen Statiker, bestätigte Amtsleiter Johannes Beckers. Er hatte auch an der Further Straße ein leerstehendes Haus wegen Schäden an der Dachkonstruktion sperren und untersuchen lassen. Nach einer Ertüchtigung seien alle Häuser wieder bewohnbar, sagt er. Die Versicherung der Truebas habe einen Architekten eingeschaltet, ein Bauantrag stehe noch aus.

Die Sperrung des Eckhauses von den Truebas, die dort seit 1996 ein spanisches Lokal betreiben, machte auch einige Mieter obdachlos. Während sich die Hausbesitzer selbst auf ihren Wohnwagen zurückziehen konnten ("Da fühlen wir uns frei.") und zwei Mieter bei Freunden unterkamen, musste für zwei weitere Hausbewohner das Sozialamt eine Lösung finden. Sie wurden akut in einem Hotel untergebracht, berichtet Ernst Goertz, sind inzwischen aber im Kolpinghaus untergekommen. Bis daheim alle Schäden beseitigt sind. Tomás Trueba (61) hofft, dass das bald sein wird. Denn ohne sein Lokal "kommt auch kein Pfennig rein", sagt er. Hoffnung macht ihm, dass die Sperrung der Josefstraße vor seinem Haus aufgehoben werden.

(NGZ)