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Neuss: Sturm wütet in Neuss

Neuss : Sturm wütet in Neuss

Ein kurzer Sturm am Montagmittag sorgte in der Stadt für schwere Schäden. Auf der Furth stürzte ein Dach auf einen Kleinbus, an der Bahnlinie über der Viktoriastraße blockierte ein Baum stundenlang die Strecke. 120 Passagiere saßen fest.

Eine Windhose fegte um kurz vor 12 in nordöstlicher Richtung über die Stadt hinweg und hinterließ eine Spur der Verwüstung. Besonders groß waren die Schäden auf der Furth, wo ganze Dächer von den Häusern geweht wurden.

Die größte Zahl an Helfern aber wurde an der Schorlemer Straße zusammengezogen, nachdem ein umstürzender Baum die Gleise der benachbarten Bahnlinie blockiert und die Oberleitungen heruntergerissen hatte. Die im Zug eingeschlossenen gut 120 Fahrgäste warteten rund drei Stunden auf ihre Befreiung.

Der Deutsche Wetterdienst hatte schon am Morgen eine Unwetterwarnung für die späten Vormittagstunden herausgegeben. Tatsächlich ging der erste Notruf auf der Kreisleitstelle um 11.50 Uhr ein. Ihm folgten bis gegen 12.40 Uhr 69 weitere — dann war die Schlechtwetterfront durchgezogen und die Aufräumarbeiten begannen. Bilanz des Sturms: Sachschaden in unbekannter Höhe, keine Verletzten.

Dabei hätte es auch Tote geben können. Als der Himmel über der Furth dunkel wurde, trat Tomás Trueba vor sein Lokal "Aqui Espana" am Weißenberger Weg. In dem spanischen Restaurant war bis 1.30 Uhr in der Frühe der WM-Titel der Iberer gefeiert worden. Als er sich vor den ersten Windböen gerade ins Gebäude zurückgezogen hatte, krachte das Dach seines Hauses auf die Kreuzung Josefstraße/Weißenberger Weg, begrub einen Kleinbus für den Schülertransport unter sich.

Nur ein paar Häuser weiter rutschte eine Dachfläche in einen Innenhof. Trueba und seine Frau Doris flüchteten sich mit anderen Nachbarn in einen Kiosk gegenüber, wo Feuerwehr und Rettungsdienste eine Betreuungsstelle eingerichtet hatten. Tränen flossen, Trost wurde gespendet, während draußen die Feuerwehr Kaarst von Dächern und Straße lose Dachziegel einsammelte.

Die Kaarster wurden alarmiert, weil die Neusser Wehr schon in anderen Einsätzen gebunden war. Zum Beispiel an der Further Straße, wo unter anderem ein Dachstuhl einzustürzen drohte, nachdem ein tragender Balken angerissen war.

An etlichen Stellen brachen große Äste ab oder stürzten — wie auf der Stephanstraße — gar ganze Bäume um. Besonders gravierende Folgen aber hatte der Baum, der um kurz vor 12 Uhr auf das Bahngleis kippte und einen Regionalexpress auf dem Bahnviadukt Victoriastraße zum Anhalten zwang.

Die Passagiere durften den Zug, dessen Türen verriegelt blieben, erst verlassen, nachdem fast drei Stunden später ein Bahnmitarbeiter die beschädigte Oberleitung "tot" geschaltet hatte. Vorher hatte die Feuerwehr kistenweise kalte Getränke über Leinen in den Zug gezogen. Die 120 Passagiere wurden zum Teil mit der Drehleiter der Wehr geborgen. Die Reisenden wurden im benachbarten Vereinsheim der TG Neuss vorsorgt.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Sturm verwüstet Neuss

(NGZ)