Alternative Karnevalssitzung in Neuss: Stunk unter den Alpha-Männchen

Alternative Karnevalssitzung in Neuss: Stunk unter den Alpha-Männchen

Die alternative Karnevalssitzung des Theaters am Schlachthof holt die große Welt für den "König der Möhnen" nach Neuss.

Möhnen dieser Welt, schaut auf diesen Mann - und sucht ganz schnell das Weite! Denn Donald Trump kommt. Ausgerechnet an Karneval, um diesen mal so richtig auf Trab zu bringen und damit das eigene Image als Macher aufzupolieren. Mit dieser Rahmenhandlung für den Stunk 2018 des Theaters am Schlachthof in der Wetthalle ist das Autorentrio Sabine Wiegand, Martin Maier-Bode und Jens Neutag kein geringes Risiko eingegangen. Kommt einem der US-Präsident doch nicht erst seit den jüngsten Enthüllungen längst wie eine Karikatur vor. Wie kann man einen solchen Menschen auf der Bühne so überzeichnen, dass man seiner nicht völlig überdrüssig wird?

Foto: Jagna Witkowski

Indem man ihn zum Beispiel von Jens Kipper spielen lässt. Als niveauloser Wüstling, der den Tanzmariechen die Röcke noch kürzer machen will, als Bester, Größter, Schlauester - und überhaupt als "König der Möhnen", wie der Titel des Stunk es schon sagt. Kipper gibt dem Affen reichlich Zucker, aber dominiert in dieser Rolle nicht. Der Abend ist alles andere als ein Egotrip, weder des Autorentrios noch einzelner Schauspieler. Fast vier Stunden Programm mit vielen Einzelszenen und der von Martin Maier-Bode aus dem Off kommentierten Rahmenhandlung über Trump in Neuss fügen sich am Ende einem rundum gelungenen Stunk Stunk zusammen.

Treffen der Alpha-Männchen: (v.l.) Trump (Jens Kipper), Erdogan (Harry Heib), Maduro (Dennis Prang) und Kim Jong-un (Jens Spörckmann). Foto: Jagna Witkowski

Wortwitz, selbst platte Pointen spielen dabei eine große Rolle, neue Figuren wie Ökofreak Anselm-Maria, das Genderdreigestirn Er-Sie-Es oder das Frauenduo Fick & Fotzi ebenso. Die zu jedem Charakter, jeder Szene passenden Kostüme von Britta Bremer, die von Wiegand neugetexteten Songs wie "Da kommt der Zug" (No Roots), "Goodbye SPD" (Lucky Day), "Let's bomb together" (Let's stick together) oder "Jecken an die Macht" (Kinder an die Macht) zur hervorragenden musikalischen Begleitung durch die Deeband sind dabei das Tüpfelchen auf dem i.

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So lassen sich auch Verluste verschmerzen. Hausmeister Jupp Schwaderath hat zwar die "Rathauskantine" verlassen und damit auch Stadtarchivar Alfred Sülheim um den Auftritt als Finger-in-die-Neusser-Wunden-Leger beim Stunk gebracht, aber dafür mokieren sich die Großen der Weltpolitik über Versäum- und Ärgernisse. Bei einer Stadtrundfahrt mit den wegen Trump angereisten Staatschefs sieht der US-Präsident in den mit Gewehr paradierenden Schützen und dem begeisterten Publikum "sein" Volk. Nordkoreas Kim Jong-un will unbedingt die Raketenstation kennenlernen, Venezuelas Präsident Maduro vermutet im Pizzatürmchen ein Abschiebegefängnis ohne Gitter und Fenster, Erdogan sieht in Reiner Breuer einen Bruder im Geiste. Und Angela Merkel - die will in der "CDU-Hochburg seit der Steinzeit" mit einem SPD-Bürgermeister höchstens noch einen Film drehen: "Fuck you Gröhe 3".

Und doch: Undenkbar, dass alte Bekannte wie "Dat Rosi", Piffel & Poffel oder Heinz Allein, der Unterhalter beim Stunk fehlen. Tun sie auch nicht. Dat Rosi nimmt als frischgebackene Oma von Hassan-Jeremy (von Taxi-Maria) Helikopter- und Anarcho-Eltern aufs Korn, Piffel & Poffel bringen einen Herrenwitz nach dem anderen und rufen mit Fick & Fotzi die weibliche Konkurrenz auf den Plan. Heinz Allein hält sich an katalanische Gepflogenheiten und macht aus seinem Heimatort Glehn ein Land Glehnesien ohne Steuern und mit Drei-Tage-Woche. Und dann ist da noch Frau Zwonkowski, die auch als Melania-Trump-Double ihre Berufung als patente Putzfrau nicht verleugnen kann. Sie wird am Ende sogar ... Nein, dass soll dann doch lieber nicht verraten werden.

(hbm)