Neuss: Studie warnt vor einer Immobilien-Blase

Neuss : Studie warnt vor einer Immobilien-Blase

Gutachter zählen Neuss zu den neun deutschen Städten, denen mit "hoher Wahrscheinlichkeit" eine "spekulative Blase" bei Bestandswohnungen droht - im Gegensatz zu Düsseldorf. Die Rathaus-Wirtschaftsförderung will "genau hinsehen".

Droht der Stadt eine Immobilienblase? Zumindest Wachsamkeit scheint angeraten. Immerhin gehört Neuss zu den neun bundesdeutschen Städten, der mit "hoher Wahrscheinlichkeit" eine "spekulative Blase" bei Bestandswohnungen droht. Die Preisdynamik sei, so die Gutachter, nicht "durch eine entsprechende Entwicklung bei den Mieten" zu erklären. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die jetzt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (Berlin) vorgelegt hat. Auffallend: Im Gegensatz zu Neuss zählen die Wissenschaftler die Landeshauptstadt Düsseldorf nicht zu den Standorten, die eine Immobilien-Blase fürchten müssten. Insgesamt wurden 127 Städte in Deutschland untersucht.

Im Amt für Wirtschaftsförderung studiert Frank Wolters die Zahlen und Fakten des DIW-Papiers genau, nimmt sie ernst. Aber er hält eine Einschätzung der Ergebnisse auch für "schwierig", denn die Gutachter relativierten selbst ihre Zahlen, wenn sie zu dem Schluss kommen: "Die Anzeichen für eine spekulative Immobilienpreisblase sind für den deutschen Immobilienmarkt nach wie vor schwach." Gleichwohl dürfe ein genereller Blick nicht zur Sorglosigkeit im lokalen Bereich führen.

In seiner ersten Stellungnahme stuft Wolter, Leiter der Neusser Wirtschaftsförderung, die Risiken in der Stadt als gering ein. Unstrittig sei, dass in Neuss die Immobilienpreise - und somit auch die Mieten - steigen. "Aber was auf den Markt kommt", so Wolters, "wird auch gekauft." Die Nachfrage sei ungebrochen. Er könne sich einen Einbruch nicht vorstellen, da die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Stadtgebiet stetig steige: "Das wird so bleiben." Er gehe davon aus, dass die Immobilien-Preise auch in den nächsten fünf bis zehn Jahren nicht sinken werden.

Als "interessanten Hinweis" wertet Rainer Mellis die jüngste DIW-Studie. Mellis ist Vorstandssprecher der Volksbank Düsseldorf Neuss, die sich stark in der Bau- und Immobilienfinanzierung engagiert. Er fühle sich in seiner Geschäftspolitik bestätigt. "Wir achten schon seit Jahren sehr genau darauf", sagt der Banker, "dass der Erwerber einer Immobilie auch bei steigenden Zinsen seine Kapitaldienste leisten kann." Die Akteure auf dem Neusser Immobilienmarkt sind offenbar gelassen. Zu dieser Einschätzung kommt Frank Wolters, der vor wenigen Tagen mit Maklern und Hausbesitzern beim ersten Neusser Immobiliengipfel zusammensaß. Die DIW-Studie sei nicht angesprochen worden; von einer drohenden Immobilien-Blase sei keine Rede gewesen. Im Gegenteil. Es habe Übereinstimmung geherrscht, dass es Sinn mache, die Revitalisierung des Büro- und Gewerbegebietes Hammfeld I voranzutreiben. Die angestrebte Quartierbildung solle, wie bereits mehrmals auf der Messe Expo Real in München vorgestellt, auch über eine Öffnung für Wohnbereiche erzielt werden. Dabei, so Wolters, sei nicht in erster Linie an eine Umwidmung von Büros in Wohnungen gedacht, sondern an Neubauten: "Freie Flächen sind im Hammfeld ja durchaus noch vorhanden." Er stelle sich Wohnanlagen vor, "die zum Umfeld passen".

Wolters geht nach wie vor davon aus, dass der Standort Neuss auch künftig weiteren Wohnraum benötigt und auch verkraftet.

(NGZ)
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