Neuss: Studie sieht Platz für 16 Windräder in Neuss

Neuss : Studie sieht Platz für 16 Windräder in Neuss

Die Neusser Politik schiebt die Entscheidung über Nutzungszonen für Windkraft vor sich her. In diese Debatte platzt der Energieatlas NRW.

16 Windräder mit einer Nennleistung von 48 Megawatt könnten in Neuss Platz finden. Zu diesem Ergebnis kommt das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz in einer Potentialstudie zur Windenergie. Seit einigen Tagen ist sie auch im Internet unter der Bezeichnung Energieatlas verfügbar und dürfte die Standortdebatte in Neuss, wo sich derzeit nur ein Windrad zur Stromerzeugung dreht, neu befeuern.

Als Planungshilfe bezeichnet LANUV-Präsident Heinrich Bottermann die Untersuchung, die in den Expansionsabteilungen der (Wind)-Energiekonzerne die eine oder andere Stelle überflüssig machen könnte. Denn, so urteilt der Neusser Planungsdezernent Christoph Hölters, "der Energieatlas drückt die Betreiber solcher Anlagen förmlich mit der Nasenspitze auf die Standorte." Das findet er — derzeit — gar nicht gut. Denn die Stadt hätte nichts in der Hand, um Investoren auf Standortsuche aufzuhalten.

Die Diskussion um die Ausweisung von Konzentrationsflächen zur Windenergienutzung wurde mehrfach vertagt und soll nun Ende Januar im Planungsausschuss geführt werden. Vor allem die Koalition von CDU und FDP zögert, was SPD-Fraktionschef Reiner Breuer "organisierte Zukunftsverweigerung" nennt. "So wird aus der Energiewende sicher nichts."

Soll es aber. Windkraft soll im Jahr 2020 landesweit 15 Prozent des Stroms erzeugen. Das ist das Ziel der Landesregierung, und beim LANUV hält man das mit Blick auf die eigene Analyse für machbar. Ja, auch 30 Prozent seien in Reichweite. Denn die Studie ist kompromisslos. "Da sind Flächen drin", erklärt Hölters, "die wollen wir so gar nicht nutzen." Das Westfeld etwa oder die Umgebung der Raketenstation. Danach fragt die Studie aber nicht, sondern nur nach den Windverhältnissen und Abständen, etwa zu Wohnhäusern. 149 Hektar wären demnach so, dass Windenergiekrafträder, die als privilegierte Anlagen gelten und genehmigt werden müssten, dort angesiedelt werden könnten. Zum Vergleich: Das Gutachten des Essener Büros Ökoplan, Basis der Debatte um Konzentrationsflächen für Windnutzung in Neuss, nimmt nicht einmal 50 Hektar in den Blick.

Platz genug für sechs weitere Windräder. Eines könnte schon bald am westlichen Stadtrand entstehen, wo Abo-Wind aus Wiesbaden eine derartige Anlage gerichtlich durchsetzen konnte. Das Unternehmen klagt derzeit gegen die Stadt, um dort eine zweite Anlage aufstellen zu können. "Und es sieht nicht gut für uns als Beklagte aus", sagt Bürgermeister Herbert Napp.

Die Debatte um zwei Windräder südlich von Hoisten wird seiner Ansicht nach deshalb am Ende marktwirtschaftlich und nicht politisch entschieden. Verhindern kann die Stadt nur, dass die Stadtwerke einen Errichtungsantrag stellen. Was, wenn andere Investoren kommen?

(NGZ)