Streit um neue Kunstrasenplätze in Neuss wird Nagelprobe der Koalition

Sportpolitik in Neuss : Grüne sagen Nein zu Kunstrasenfeldern

Immer mehr Sportvereine drängen auf Allwetterplätze. Die SPD will das Thema noch einmal grundsätzlich diskutieren, doch die Grünen widersetzen sich. Sie sind bereit, das Thema zum Härtetest der Koalition zu machen.

Die Grünen machen den Deckel drauf: Über die beschlossenen und im Etat bereits eingeplanten Kunstrasenplätze hinaus soll in Zukunft kein weiterer dieser ganzjährig bespielbaren Plätze mehr gebaut werden. „Auf gar keinen Fall“, sagt der Fraktionsvorsitzende Michael Klinkicht, der, wenn es hart auf hart kommt, diese Frage zur Nagelprobe für die Koalition mit der CDU machen will. Seine Argumente: Die Vereinbarungen im Koalitionsvertrag, die finanzielle Lage der Stadt – und das gemeinsam beschlossene Sportentwicklungskonzept.

Darin ist festgehalten, dass die  Fußballzentren Weissenberg, Norf und Gnadental einen großen Kunstrasenplatz bekommen, die Kleinspielfelder in allen Bezirkssportanlagen aber Aschenplätze bleiben. Großen Kunstrasenspielflächen habe man für das Jahnstadion und die BSA Reuschenberg noch zustimmen können, sagt Klinkicht. Doch Versuchen, jetzt auch Kleinfelder mit dem immergrünen Plastikrasen zu belegen, widersetzt sich seine Fraktion vehement. „Wir wollen den Breitensport fördern und uns nicht nur auf Fußballfelder konzentrieren“, sagt Klinkicht.

Konkrete Anträge zur Umwandlung von Kleinspielfeldern liegen  von der SVG Weissenberg und dem SV Rosellen auf dem Tisch und wurden im Sportausschuss wohlwollend aufgenommen. Dort sprach nur Ingrid Schäfer (CDU) gegen die Anträge, die sich selbst von der eigenen Fraktion im Stich gelassen  fühlte. Die stimmte mehrheitlich dafür, das Thema in den Arbeitskreis Sportentwicklung zu verweisen, der Anfang Juli tagt und sich auch noch einmal mit den Förderrichtlinien beschäftigen soll. Von der Verwaltung möchten die Sportpolitiker dann hören, was es kosten würde, alle vier Fußballzentren und weitere geeignete Bezirkssportanlagen perspektivisch mit einem Kunstrasen-Kleinspielfeld zu stärken – und wie man das finanzieren könnte. Der Vorstoß hierzu kam von der SPD, für die Sascha Karbowiak mit dem Schlagwort „Chancengleichheit“ argumentiert.

Auf die in der AG Sportentwicklung zu erwartende Debatte bereitet sich am Dienstag (25.) der Arbeitskreis Sport der CDU vor, der zu diesem Termin Hans-Josef Holtappels eingeladen hat, den Vorsitzenden des Clubs in Weissenberg. Der langjährige CDU-Politiker betont die Dringlichkeit („Ab August spielen wir mit 26 Mannschaften“) und unterstreicht die Bereitschaft des Vereins, die Hälfte der auf 120.000 Euro taxierten Baukosten selbst tragen zu wollen. Dabei spekuliert die SVG auf das Landesprogramm zur Sanierung und Erweiterung bestehender Sportstätten, aus dem bis 2022 fast 2,1 Millionen Euro nach Neuss fließen. „Neben der TG Neuss sind nur wir antragsberechtigt“, sagt Holtappels.

In ersten Gesprächen mit der Stadt hatte die SVG gegenüber Sportdezernent und Bürgermeister noch davon gesprochen, die volle Summe aus eigener Kraft bestreiten zu können. Davon stand im Antrag des Vereins keine Silbe. Sportdezernent Matthias Welpmann zeigt sich entsprechend irritiert.

Aber selbst für diesen Fall hätte   Schäfer Vorbehalte, den Rahmen des Sportentwicklungskonzeptes in Puncto Kleinspielfelder einfach auszudehnen. Zahlt die SVG den Platz alleine, wäre trotzdem vertraglich zu regeln, dass sich der städtische Zuschuss für die in Vereinsregie betriebene Bezirkssportanlage nicht erhöht und der auch die in einigen Jahren zu erwartende Erneuerung alleine bestreitet.

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