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Neuss: Streit um "Master-Plänchen"

Neuss : Streit um "Master-Plänchen"

Die breite Ratsmehrheit gibt für 100.000 Euro den "Masterplan – Neuss an den Rhein" in Auftrag. Die IHK kritisiert: zu wenig Geld, kleiner Teilraum, falscher Zeitpunkt. CDU und FDP feiern hingegen eine "Arbeit aus einem Guss".

Die breite Ratsmehrheit gibt für 100.000 Euro den "Masterplan — Neuss an den Rhein" in Auftrag. Die IHK kritisiert: zu wenig Geld, kleiner Teilraum, falscher Zeitpunkt. CDU und FDP feiern hingegen eine "Arbeit aus einem Guss".

Er sollte der große Wurf werden, eine städtebauliche Vision, die Neusser Stadtplanung für die nächsten zehn, fünfzehn Jahre kalkulierbar macht. Der Masterplan schaffte es vor Jahresfrist gar bis in den Koalitionsvertrag von CDU und FDP — doch nun droht, aus dem Plan ein Plänchen zu werden. Das sieht zumindest die IHK so. Die Industrie- und Handelskammer Mittlerer Niederrhein formuliert die schärfste Kritik. Hauptgeschäftsführer Dieter Porschen fürchtet, "dass hier wieder nur Papier für die Schublade produziert wird." Seine Kritikpunkte: zu wenig Geld, kleiner Teilraum, falscher Zeitpunkt.

Damit herrscht Streit bei einem Vorhaben, das die Kräfte aller Akteure bündeln soll. Zu den Kritikern gehört auch Bürgermeister Napp, der gar juristische Bedenken gegen das Vergabeverfahren äußert. Erfahrene Stadtplaner und Architekten halten die Bezeichnung Masterplan für einen Etikettenschwindel. Es handele sich allenfalls um einen Gebietsentwicklungsplan für Teilbereiche der Innenstadt. Außerdem fehle die ernsthafte Beteiligung der Bürger.

Das sehen die Initiatoren ganz anders. Mit breiter Mehrheit beauftragte der Stadtrat das Planungsbüro Dieter Blase, einen "Masterplan — Neuss an den Rhein" zu erarbeiten. Für insgesamt 100 000 Euro wurden zwei Planungsabschnitte vergeben. Bis zum Herbst soll ein "Baulich räumliches Gesamtkonzept" der Innenstadt — Grenze Innerer Ring mit Gielen- Schorlemer-, Schillerstraße und Stresemannallee — entstehen. Es folgt 2012 das Feinkonzept für die Anbindung des Rheinpark-Centers über die Achse Hammer Landstraße an den Wendersplatz und den Bereich Rheintor-/Batteriestraße. Die Vorsitzenden der beiden Koalitionsfraktionen, Karl-Heinz Baum (CDU) und Heinrich Köppen (FDP), freuen sich auf eine "Arbeit aus einem Guss" und auf eine Stadtplanung, "die nicht länger eine Sammlung von Einzelmaßnahmen ist".

Besonders stolz sind die Koalitionäre, dass mit der SPD, UWG/Zentrum und Die Linke auch drei Oppositionsfraktionen der Masterplan-Initiative beigetreten sind und daraus "eine interfraktionelle Bewegung" (Baum) machen. Für Reiner Breuer (SPD) ist es gut, dass Planung nun in einen größeren Zusammenhang gestellt werden soll: "Das ist eine alte SPD-Forderung." Allein Bündnis 90/Die Grünen sitzen nicht im Masterplan-Boot. Deren Planungsexperte Roland Kehl kritisiert vor allem die "Vorab-Entscheidung" für den Umzug des Autohauses Schultz an die Hammer Landstraße. Damit schaffe die Stadt Fakten, noch ehe das Masterplan-Verfahren angelaufen sei.

(NGZ/url)