Neuss: Streit um Frauenschwimmen

Neuss : Streit um Frauenschwimmen

Der Integrationsrat fordert Schwimmstunden nur für Frauen. Während die Neusser Bäder und Eissport GmbH prüft, gibt es in der CDU-Fraktion kein einheitliches Meinungsbild. Sie lehnt ein Damenbad nur für Muslima ab.

Mirnije Azizaj wird ein wenig neidisch ins benachbarte Grevenbroich blicken. Was in der Schlossstadt möglich ist, geht in der Quirinusstadt nicht. Noch nicht, hofft die Vorsitzende des Integrationsrates der Stadt, die sich dafür einsetzt, dass Frauen einmal wöchentlich unter sich sind und von Männerblicken unbeobachtet schwimmen können.

Ihr Ansinnen formulierte die engagierte Frau bereits im vergangenen Herbst, bis heute ist nichts mehr geschehen. Auch, weil es ein umstrittenes Thema ist, zum Beispiel innerhalb der CDU. Dort löste es keine Begeisterung aus, vor allem, weil offenbar nicht allen Mitgliedern klar war, dass es den Initiatorinnen nicht um ein Damenbad nur für muslimische Frauen gehen soll. Azizaj: "Selbstverständlich soll es keine geschlossene Veranstaltung sein. Es gibt auch deutsche Frauen, die aus unterschiedlichen Gründen in Gegenwart von Männern nicht baden gehen wollen." Dafür bringt auch Angelika Quiring-Perl Verständnis auf: "In unserer Fraktion wird zu sehr nur in diese Richtung diskutiert. Dabei habe ich in vielen Gesprächen mit Frauen erfahren, dass sie gerne ein Schwimm-Angebot nur für Damen annehmen würden. Ich sehe kein Argument, dass gegen ein solches Angebot spricht."

Auf weniger inhaltliche als vielmehr organisatorische Probleme hebt ihre Ratskollegin Helga Koenemann ab: "Ich befürchte, dass wir einfach keine Schwimmzeiten übrig haben. Die Kapazitäten sind so gering. Es würde wohl zu Lasten der Zeiten für die Vereine gehen", glaubt sie. Etwas schärfer formuliert Rolf Knipprath, Aufsichtsratsvorsitzender der Neusser Bäder und Eissport (NBE) GmbH: "Das Hauptthema wird doch sein, wie sich Muslima in dem Bad bewegen können. Da ist dann schnell die Rede von zugehängten Fenstern, von der Forderung nach weiblichen Bademeistern und weiblichen Badtechnikern für diese Zeit – das wird so doch nicht machbar sein."

Über Hauptausschuss und Verwaltung liegt ein Prüfauftrag auf dem Schreibtisch der NBE. "Wir prüfen zurzeit inhaltlich. Das Ergebnis, auch unter Berücksichtigung der Kosten, wird dem Aufsichtsrat in der nächsten Sitzung im März vorgelegt", sagt NBE-Sprecher Jürgen Scheer. Es sollen wohl auch Erfahrungen aus anderen Städten eingeholt werden. Die in Grevenbroich sind bislang ausgesprochen gut. Dilek Onbasi aus dem Integrationsrat der Stadt, freut sich über eine hohe Nachfrage. Doppelt so viele Besucher wie sonst kamen zum Auftakt: 100 bis 150 Frauen und Kinder bis sieben Jahren. "Die Zahlen sprechen für sich", sagte Onbasi.

(NGZ)
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