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Neuss: Streifzug durch die Geschichte der Straßen

Neuss : Streifzug durch die Geschichte der Straßen

Einige Neusser Straßennamen sind ziemlich ausgefallen. Stadtarchivleiter Jens Metzdorf erklärt, was sie bedeuten.

1200 Straßennamen gibt es in Neuss. Und nach Angaben des Leiters des Stadtarchivs, Jens Metzdorf, ist die Herkunft von über 800 davon spannend. Für alle ist kein Platz in unserer Zeitung, deshalb findet sich hier eine kleine Auswahl. Jens Metzdorf arbeitet seit zehn Jahren mit Unterbrechungen an einem Projekt, das sich mit Straßennamen in Neuss beschäftigt. "Für die Stadtgeschichte sind Straßennamen von Bedeutung. Sie sind kleine Denkmäler", sagt Metzdorf. "Wir bekommen viele Fragen von Bürgern. Das Interesse an dem eigenen Lebensumfeld ist groß, weil jeder dazu einen Bezug hat." Noch in diesem Jahr soll das Buch über die Straßennamen, das aus dem Projekt hervorgeht, veröffentlicht werden. Bis dahin gibt es erst einmal hier ein bisschen Straßennamengeschichte:

Wird hier etwa Schabernack getrieben? Nein, das Wort hat nichts mit "Schabernack" zu tun. Stadtarchivleiter Jens Metzdorf weiß, wieso die Straße so heißt. Foto: Andreas Woitschützke

Schabernackstraße Es gibt zwei Möglichkeiten, woher der Straßenname stammen könnte. "Er geht wahrscheinlich auf die Schöffen- und Ratsfamilie Schavernath, die im 16. Jahrhundert lebte, zurück", erklärt Metzdorf. Das Gut der Familie stand dort, wo heute die Straße verläuft. Diese wurde 1905 so benannt. 1944 wurde das Gut der Schavernaths im Krieg stark beschädigt und dann von einer Wohnungsbaugesellschaft abgerissen. "Der Name ,Schavernath' ist dem Wort ,Schabernack' ähnlich", sagt Metzdorf. "Andererseits könnte der Straßenname auch auf das lateinische Wort ,Scabinaticum', das ,Schöffengut' bedeutet, zurückgehen."

Tokiostraße Diese Straße hieß ursprünglich Schubertstraße. Als die Schubertstraße in der Nordstadt dann in den 70er Jahren dazu kam, musste eine weichen. "Die in Holzheim wurde ausgewählt und zu Ehren der beiden Holzheimerinnen Annemarie Zimmermann und Roswitha Esser 1975 in ,Tokiostraße' umbenannt", sagt Metzdorf. Die Kanutinnen hatten bei den Olympischen Spielen in Tokio die Goldmedaille im Zweier-Kajak geholt. Das war 1964. Natürlich erinnerte man sich auch elf Jahre später daran.

Olympiasiegerstraße In Holzheim gibt es zu Ehren der beiden Kanutinnen Zimmermann und Esser auch noch die Olympiasiegerstraße. Diese wurde schon 1964, also direkt nach ihrem Sieg, so benannt. Vorher hieß sie Heiligenhäuskenweg. "Eigentlich müsste sie ja Olympiasiegerinnenstraße heißen. Aber im Jahr 1964 war man wohl noch nicht so weit", sagt Metzdorf. "Ich warte auf den Antrag auf Umbenennung. Der kommt bestimmt."

Im Hexfeld "Der Straßenname hat sicherlich nichts mit Hexen zu tun", sagt Metzdorf. Es handele sich vielmehr um eine historische Flurbezeichnung. ",Hex' bezieht sich auf Hecke. Die Landwehrhecke, die den äußeren Stadtbereich markierte, befand sich dort. Alle Menschen in dem Bereich, meistens Bauern, hatten bei Angriffen die Erlaubnis, in die Stadt zu flüchten." Benannt wurde die Straße im Jahr 1928.

Eselspfad Dieser Straßenname sei ein schwieriger. Sein Entstehungsdatum ist nicht bekannt - die Straße sei schon immer so genannt worden. "Sprachlich gesehen kann es ein Transportweg sein, der Eselsbreite hatte", erklärt Metzdorf. "Dieser Weg hat von Norden nach Süden zu den Mühlen geführt und es kann gut sein, dass die Esel das Getreide auf diesem Weg transportiert haben." Anderseits könne das Wort "Esel" aber auch an das Wort "Eesel" angelehnt sein, das trockenes Weideland bedeute. "Das könnte geografisch stimmen. Das Land dort war trocken", so der Leiter des Stadtarchivs.

Im Hufeisen "Die Straße heißt wohl so, weil sie wie ein Hufeisen verläuft", sagt Metzdorf. Bis in die 60er Jahre gab es in dem Gebiet in Hoisten keine Straßennamen. Nur die Wohnparzellen waren nummeriert. 1965 erhielt der Weg dann den Namen Hubertusstraße. Zehn Jahre später gab es schon wieder einen neuen Namen. "Hoisten zählte ab da zu Neuss, und da es in Reuschenberg schon einen Hubertusweg gab, wollte man einen anderen Namen", sagt Metzdorf. Ab 1975 hieß die Straße dann "Im Hufeisen".

Bleichgasse "Tatsächlich wurden früher vor dem Rheintor Tücher gebleicht. Sie wurden auf der Wiese ausgelegt, mit Wasser begossen und in der Sonne getrocknet", sagt Metzdorf. Benannt wurde die Straße 1902. "Der Bahnhof ist erst 1853 entstanden, davor war da überall nur Wiese. Bis ins 19. Jahrhundert ist die Fläche wohl fürs Bleichen genutzt worden."

Am Palmstrauch "Das Wort ,Palmstrauch' ist die rheinische Bezeichnung für ,Buckszweig'", erklärt Metzdorf. "Das liegt daran, dass Zweige vom Buchsbaum immer an Palmsonntag verwendet wurden." In der Gegend der Straße, die 1954 benannt wurde, müssen also Buchssträucher gestanden haben, deren Zweige in der Messe gesegnet wurden.

(eler)