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Neuss: Streetworker stoßen an Grenzen

Neuss : Streetworker stoßen an Grenzen

Nur drei Vollzeitstellen gibt es für das gesamte Stadtgebiet – mehr sei aus finanziellen Gründen nicht möglich, sagt Sozialdezernent Hahn. Dagegen glaubt Pfarrer Thamm, dass die Stadt mit Streetwork Geld sparen könne.

Nur drei Vollzeitstellen gibt es für das gesamte Stadtgebiet — mehr sei aus finanziellen Gründen nicht möglich, sagt Sozialdezernent Hahn. Dagegen glaubt Pfarrer Thamm, dass die Stadt mit Streetwork Geld sparen könne.

An Lob und Fürsprechern mangelt es den Streetworkern in Neuss nicht — aber an Personal. Mit drei Vollzeitstellen für vier Streetworker ist die Arbeit nicht zu leisten. Das geht aus einem Zwischenbericht der Streetworker hervor, der im Jugendhilfeausschuss diskutiert wurde. Seit Beginn des Jahres werden die drei Vollzeitstellen auf das gesamte Stadtgebiet bedarfsmäßig verteilt.

Eine Lenkungsgruppe aus Vertretern der Träger (Sozialdienst katholischer Frauen und Männer, Diakonisches Werk) und des Jugendamtes hat den Bedarf für Streetwork in Erftal, Innenstadt/Nordstadt (je 22,5 Stunden Einsatzzeit) und Weckhoven (15 Stunden) ermittelt. Zwischen diesen Stadtteilen müssen die Streetworker zusätzlich zu Spontan-Einsätzen pendeln.

Das vergrößert den Arbeitsaufwand. Dabei lasse sich der Arbeitsalltag der Streetworker "unter Zeitdruck nicht gut gestalten. Bei der Gesamtplanung der Maßnahme ,Streetwork' sollte die Ressource ,Mensch' berücksichtigt werden", heißt es in dem Bericht. Doch genau da hapert es augenscheinlich.

Im Jugendhilfeausschuss sagte SPD-Ratsfrau Hannelore Staps: "Die Streetworker scheinen an ihre Grenzen zu stoßen. Sie leisten viel und sie leisten Gutes, aber mit der personellen Ausstattung scheint die Arbeit nicht zu leisten zu sein. Man sollte darauf achten, ob man diesen Posten nicht wieder aufstocken kann um die vierte Vollzeitstelle, die ursprünglich auch vorgesehen war." Sozialdezernent Stefan Hahn entgegnete aus Sicht der Verwaltung: "Wir leiden darunter, dass wir begrenzte Mittel haben. Das Füllhorn ist nicht da. Wir leisten uns gesamtstädtisch mehr, als wir uns leisten können. Wir müssen versuchen, mit den vorhandenen Mitteln das Optimale zu leisten."

Dieser Argumentation kann Dirk Thamm nicht folgen. Der Pfarrer aus Weckhoven, der sich — vergeblich — für den Verbleib eines festen Streetwork-Standorts in seinem Stadtteil eingesetzt hat, meint: "Wenn die Stadt richtig hinguckt, müsste sie sehen, dass sie mit Streetwork viel Geld sparen kann. Was kostet die Unterbringung von zwei Kindern im Heim im Vergleich zum Jahresgehalt eines Streetworkers?"

Die Kräfte "bedarfsgerecht" einzusetzen, sieht Thamm so: "Allein dieser Ansatz: ,Wurschtelt doch mal mit zu wenig rum' ist Blödsinn in Tüten, weil man dadurch überall Kräfte abzieht." Der Einsatz der Streetworker habe in Weckhoven einst die Straßenkriminalität deutlich reduziert, inzwischen gebe es aber wieder "Schlägereien und Drogenhandel", sagt Thamm. Der Pfarrer hofft: "Ich habe Herrn Hahn als sehr engagiert kennengelernt und hoffe, dass sich etwas ändert."

(NGZ/rl)