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Neuss: Streetwork-Kompromiss der Stadt gescheitert

Neuss : Streetwork-Kompromiss der Stadt gescheitert

Das Streetworker-Konzept, so wie es die Stadt mit den Sozialverbänden ausgehandelt hat, ist gescheitert. Nachdem sich der Sozialausschuss noch von der Idee überzeugen ließ, die Zahl der Stellen für diese aufsuchende Sozialarbeit auf vier aufzustocken, im Gegenzug aber die Stadtteilzuordnung aufzuheben, scheitert dieser Kompromiss schlicht an den Finanzen. Es bleibt bei drei vollen Stellen.

Neben der Enttäuschung darüber, dass "die Stadt die Basis dieser Vereinbarung verlässt", wie es Christoph Havers formuliert, ist für ihn eine Folge schon abgemacht: "In Weckhoven wird die Arbeit nicht weitergehen", sagt der Diakonie-Vorstand.

Doch Stefan Hahn, Sozialdezernent der Stadt, glaubt nicht an einen solchen Automatismus, geht aber eher von einer Einschränkung des Angebotes im Ortsteil Weckhoven aus. Hahn setzt auf ein Gespräch mit den Sozialverbänden im Januar, in das er vor allem mit einer Frage geht: "Wie können wir die Arbeit der Streetworker so optimieren, dass diese zum Teil in Weckhoven möglich bleibt?"

Bislang gab es vier Sozialarbeiter, die sich die drei Streetworkerstellen teilten. Sie waren ortsteilgebunden eingesetzt, etwa in Erfttal. In Weckhoven wurde dieser Dienst über ein auf zwei Jahre befristetes Projekt möglich, das zuletzt nur mit Spendengeldern und Restmitteln der Diakonie fortgeführt wurde und zum Jahresende ausläuft.

Die Fortsetzung dieser Arbeit wird vor allem von der Stadtteilwerkstatt Weckhoven seit Monaten eingefordert. Dort hatte man mit der Aktion "Gib fünf für Weckhoven" nicht zuletzt auch für diesen Zweck Spenden gesammelt, diese allerdings erst freigegeben, als die Kompromissformel und damit die Aufstockung auf vier Stellen gefunden war.

Pfarrer Ulrich Thamm, Mitglied der Stadtteilkonferenz, kann die Enttäuschung über die jüngste Entwicklung nicht verhehlen: Das ehrenamtliche Engagement der Bürger, die sich nicht zuletzt über die Spendenaktion beteiligt hatten, werde mit Füßen getreten. Und: Das vertrauensvolle Miteinander zwischen der Stadt und den Sozialverbänden wurde beschädigt." Hinzu komme noch, dass diese Entscheidung für viele Jugendliche, die oft aus familiär schwierigen Verhältnissen kommen, einen Vertrauensverlust bedeuten muss. Unter dem Strich: "Es wird bei denen gespart, die sich nicht wehren können."

Diakonie sowie Sozialdienst katholischer Männer und Sozialdienst katholischer Frauen, werden im Januar bei dem Gespräch mit der Stadt auf eine Konzeptveränderung drängen. "Wir sagen nicht, wir machen keine Streetworkarbeit mehr", stellt Havers klar. Das Signal aber werde sein: "Wenn es nur drei Stellen sind, dann gibt es nur das, was damit zu leisten ist."

(NGZ/rl)