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Streetart in Neuss: Was hat es mit der Glücksamöbe auf sich?

Streetart in Neuss : Eine Amöbe soll Glück bringen

Wer im Neusser Stadtgebiet unterwegs ist, hat sie sicher schon einmal gesehen: Die kleinen Tierchen, die als Sticker oder Graffiti an Stromkästen oder Laternen kleben. Was hat es damit auf sich? Ein Treffen mit der Person, die die Amöbe erfunden hat.

Es hängt an Stromkästen, Laternenpfählen und unter Unterführungen: Wer im Neusser Stadtgebiet unterwegs ist, hat das Tier mit den Wackelaugen und der rüsselähnlichen Nase sicher schon einmal gesehen. Doch was hat es damit auf sich? Das möchte auch eine Nutzerin wissen, die in einer Facebook-Gruppe nach der Bedeutung des „Elefanten“ fragt.

Streetartkünstlerin Am!p sitzt im Café und lächelt. Sie kennt das Geheimnis hinter den Aufklebern und Graffitis – immerhin ist sie ihre Schöpferin. Kein Elefant, sondern eine Amöbe sei es, die dort zu sehen ist. Genauer gesagt, eine Glücksamöbe. Entstanden ist die Idee während der Corona-Pandemie: Am!P hatte einen Freund, der in der Düsseldorfer Streetart-Szene aktiv ist. Schnell habe sie sich von seiner Begeisterung anstecken lassen und wurde selbst aktiv. Ihr eigener Glücksbringer, ein rosafarbenes Stoffier wurde zum Vorbild für ihre Aufkleber. Mit ihnen wollte sie das „Glück in die Stadt bringen.“

 Die Amöbe ist stadtbekannt: Neuerdings ist sie auch auf Fliesen zu finden, die bei Gefallen einfach mitgenommen werden können.
Die Amöbe ist stadtbekannt: Neuerdings ist sie auch auf Fliesen zu finden, die bei Gefallen einfach mitgenommen werden können. Foto: Natalie Urbig

Bei ihren ersten Verteil-Aktionen sei Am!p sehr aufgeregt gewesen. „Es war eine freudige Unruhe“, erinnert sich die Anfang 50-Jährige. Amip (das türkische Wort für Amöbe) ist nicht nur der Name ihrer Glücksamöbe – daraus leitet sich auch ihr Künstlername ab. Ihren richtigen Namen möchte Am!p nicht nennen, denn das, was sie macht, ist nicht erlaubt. Sie selbst sehe es als eine kreative Form des zivilen Ungehorsams. „Es ist schade, dass nicht mehr legale Flächen für Streetart zur Verfügung stehen“, sagt sie, „man könnte zum Beispiel Stromkästen oder Unterführungen dafür freigeben.“ Dennoch habe sie sich selbst einige Regeln gesetzt: Privateigentum, Kulturstätten und denkmalgeschütze Gebäude seien für sie tabu, Werke von anderen Streetartkünstlern dürfen nicht „gecrosst“, also überklebt, werden.

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Mittlerweile mache es ihr am meisten Spaß beim Gang durch die Stadt, ihre eigenen Arbeiten zu sehen. Aber auch über Feedback freut sie sich. Manchmal bekomme sie das ganz unmittelbar auf der Straße: Da sei zum Beispiel ein Mädchen mit ihren Großeltern gewesen, das jauchzend und lachend vor einer Amöbe gestanden hätte.  „Worüber freust du dich denn so“, habe Am!p gefragt und das Mädchen antwortete: „Da ist so ein lustiger Geist.“ Andere Rückmeldungen bekommt sie über ihren Instagram-Account, den sie speziell für ihre Streetart eingerichtet hat. Neben der Amöbe sind mittlerweile auch ein Esel, „der Rabe der Weisheit“, „Seelenpferdchen“ und das Pärchen „Senor&Senora Rossi“ hinzugekommen. Ihr Markenzeichen bleibt aber die Glücksamöbe: Einige Nutzer schreiben ihr, dass sie die Amöbe selbst als Glücksbringer, als „gutes Omen“ nutzen, andere würden berichten, wie begeistert Kinder danach Ausschau halten, für wieder andere sei die Amöbe ein Zeichen, wieder „zu Hause zu sein.“ „Manche fragen auch, ob ich ihnen ein Bild verkaufe“, erzählt Am!p. Doch sie verkauft nicht, sie verschenkt nur. Glück, so sagt sie, kann man nur verschenken. Mittlerweile habe „Am!p“ sich etwas Neues einfallen lassen. „Das Glück to go“. Sie bemalt Fliesen mit der Glücksamöbe und verteilt diese im Stadtgebiet – der Finder kann sie einfach mitnehmen. Auch an jenem Tag hinterlässt sie eine bemalte Fliese am Neusser Hafenbecken. Ob sie nicht neugierig sei, wer der Finder ist? „Und wie“, sagt Am!p, und deutet auf einen Mann. „Vielleicht ist er es?“ Natalie Urbig