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Straßen in Neuss sacken ab - Tiefbaumanagement kämpft dagegen

Herausforderung für das Tiefbaumanagement Neuss : Immer mehr Straßen sacken ab

Die Zahl der Fahrbahnabsackungen steigt seit Jahren. Grund sind verschlissene Kanäle. Die Stadt steuert um und investiert. Unter anderem sind fünf große Projekte zur Kanalerneuerung in Planung.

Die Zahlen häufen sich. Schon 15 Mal musste das städtische Tiefbaumanagement (TMN) in diesem Jahr ausrücken, weil Fahrbahnen abgesackt oder gar eingebrochen waren. Damit zeichnet sich ab, dass der im Vorjahr zu verzeichnende traurige Rekord von 26 solcher Vorfälle noch übertroffen werden wird. Das zeige, analysiert Johannes Steinhauer die Entwicklung, dass die Bausubstanz von Teilen des Kanalnetzes aufgezehrt ist. „Also müssen wir bauen“, sagt der TMN-Betriebsleiter.

Als Anfang 2010 die Fahrbahn an der Nordstraße in Holzheim durchbrach, weil Wasser aus einer defekten Leitung 20 Kubikmeter Erdreich weg- und einen Hohlraum freigespült hatte, lag die Zahl solcher Vorfälle noch im mittleren einstelligen Bereich. Seitdem sind die Zahlen nach Angaben des TMN nicht linear aber signifikant gestiegen. Zum Glück, sagt Steinhauer, gab es nur selten größere Schäden, und die Versicherung musste nur sehr selten in Anspruch genommen werden. Denn die Kommune habe eine Verkehrssicherungspflicht zu erfüllen.

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Um auf die durch Auswaschungen drohenden Gefahren schneller reagieren zu können, wurde beim TMN schon umgesteuert. Zuerst wurde die Befahrungs- und Analysetechnik aufgerüstet, sagt Steinhauer. Also auch in die Kamera-Roboter investiert, die durch das Kanalnetz geschickt werden und von dort Bilder liefern. Dann wurde beim TMN so umgruppiert, das eine dreiköpfige schnelle Eingreiftruppe zur Verfügung steht, die auf einen Schaden reagieren. „Zeit ist da Geld“, sagt Steinhauer. Zuletzt wurden festgelegt, dass Absackungen nicht mehr nur an der eigentlichen Schadstelle repariert werden, sondern dass gleich ein ganzer Kanalabschnitt saniert wird. Das geschieht zwischen zwei Haltungen, sagt Steinhauer und meint oberirdisch den Abschnitt zwischen zwei Gullideckeln in der Fahrbahn.

Ursache von Absackungen sind fast immer defekte Entsorgungsleitungen, schadhafte Kanäle oder Hausanschlüsse. Sand und Erde werden vom Wasser aus- und durch den schadhaften Kanal fortgespült. So entstehen Hohlräume, die irgendwann unter der Last der Straße einbrechen.

Das geschieht vor allem dort, wo das Kanalnetz 60 Jahre und älter ist. Das erklärt die aktuellen Großbaustellen an der Mühlenstraße und im Dreikönigenviertel. Neben der Innenstadt und diesem Quartier hat aber auch die Kanalisation auf der Furth und in Gnadental, die in der damaligen „Grünwegsiedlung“ in den 1950er Jahren gebaut wurde, das kritische Alter erreicht.

Deshalb wird jetzt saniert. Der Rat beauftragte am Freitag die Verwaltung gleich mit fünf großen Projekten zur Kanalerneuerung. Die sind so umfangreich, dass anschließend nicht nur die aufgerissene Fahrbahn erneuert sondern auch der Straßenraum neu aufgeteilt wird. In diese Gemeinschaftsvorhaben von TMN und Infrastruktur Neuss (ISN) sollen möglichst auch andere geplante Vorhaben etwa der Stadtwerke oder von Kabelbetreibern integriert werden. Für alle Projekte werden jetzt Entwürfe erstellt, die den Anwohnern zeitnah in Info-Veranstaltungen vorgestellt werden.

Diese Informations- sind inzwischen Pflichtveranstaltungen. Sie abhalten zu müssen, schreibt das Anfang des Jahres geänderte Kommunale Abgabengesetz vor. Das Gesetz macht der Stadt zwar weiter zur Pflicht, die Anwohner an den Kosten für die Straßenwiederherstellung zu beteiligten, halbiert aber gegenüber früher die fälligen Sätze. Andererseits dürfen sie aber über die Umsetzung mitentscheiden, sagt Kämmerer Frank Gensler, und ihre „Anregungen gültig machen“.

Welche Bauvorhaben die Stadt hat, lesen Sie hier.