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Neuss: Straße wird zum Angst-Raum

Neuss : Straße wird zum Angst-Raum

Immer wieder überfallen Jugendliche Passanten auf offener Straße. Oft haben sie es dabei nicht auf die Beute abgesehen. Die Polizei rät dennoch, Wertgegenstände sofort herauszugeben, um Schlimmeres zu vermeiden.

Es ist noch hell, als am Dienstag in Reuschenberg um 18.30 Uhr ein 18-Jähriger aus einem Bus aussteigt. Ohne ersichtlichen Grund wird er von zwei Jugendlichen zusammengeschlagen und beraubt. Eine knappe Woche zuvor wird ein 19-Jähriger am Rheinufer von einer Gruppe Jugendlicher so schwer verletzt, dass er mit einem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus gebracht werden muss. Es sind nur zwei Beispiele von mehreren ähnlichen Fällen in den vergangenen Wochen, bei denen vor allem die Willkür schockiert, mit der die Täter ihre Opfer auswählen.

"Man kann nicht sagen, dass solche Fälle immer mehr werden, aber man hat den Eindruck, dass die Taten immer beliebiger begangen werden", sagt Ulrich Steeger, Jugendrichter am Neusser Amtsgericht. Er weist aber darauf hin, dass das Gericht keine eigene Statistik führe. Eines hingegen sei sicher: "Der materielle Wert der Beute steht in vielen Fällen nicht im Vordergrund", meint Steeger und erläutert: "Die Jugendlichen sind oft verunsichert und ratlos und fühlen sich stärker, wenn sie jemand anderen erniedrigen können."

"Täter werden immer brutaler"

Laut Kriminalitätsstatistik ist die Straßenkriminalität von Jugendlichen zuletzt zurückgegangen. Waren es im Jahr 2012 noch 42 Fälle im Neusser Stadtgebiet, die von Jugendlichen unter 21 Jahren begannen wurden, sank diese Zahl im Jahr 2011 auf 27 Fälle. "Auch im laufenden Jahr verzeichnen wir keine Auffälligkeiten, solche Überfälle kommen leider hin und wieder vor", erklärt Polizeisprecherin Diana Drawe.

Eduard Bales vom Weißen Ring im Rhein-Kreis betreut die Opfer von Gewalttaten. "Die Qualität der Fälle hat zugenommen. Die Täter werden immer brutaler", sagt Bales. Besonders schlimm sei für die Opfer, dass sie im Falle von Folgeschäden vor Gericht beweisen müssten, dass sie unter den Taten litten. "Das ist nichts anderes als eine Umkehr der gängigen Beweispflicht", so Bales. Die Polizei rät den Opfern, ihre Wertgegenstände bei einer Bedrohung herauszugeben, um den Tätern keinen Grund für eine Attacke zu liefern. "Die Wertsachen können ersetzt werden, die Gesundheit steht hier klar im Vordergrund", sagt Polizeisprecherin Drawe. Sie rät: "Die Angegriffenen sollten Aufmerksamkeit erregen, um Hilfe rufen und Passanten ansprechen, die dann direkt die 110 anrufen sollten." Für mehr Sicherheit sorgen soll in Zukunft auch das Projekt "Neusser Nachtwanderer" (siehe Info). André Betz sucht noch Mitstreiter, die abends durch die Straßen patrouillieren. "Wir wollen den Kontakt zu Jugendlichen suchen und die subjektive Sicherheit erhöhen", sagt Betz.

(NGZ)