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Neuss: Strandbar im Schatten von St. Quirin

Neuss : Strandbar im Schatten von St. Quirin

Eine 400 Quadratmeter große Strandbar auf dem Freithof bietet Platz für 120 Gäste. "Port Nassau" eröffnet heute. Doch das Konzept, das auf eine trendige, großstädtische Szene an diesem Ort abzielt, stößt auch auf Kritik.

Seit der inzwischen mit der Staatsanwaltschaft in Konflikt geratene Helge Achenbach mit seiner Strandbar "Monkey's Island" im Düsseldorfer Medienhafen Erfolge feierte, hat innerstädtisches Strandleben Konjunktur. Ab heute verfügt auch Neuss über so einen trendigen Platz. Die Düsseldorfer Gastronomen Mike van Hauten und Martin Rapp, der auch das Restaurant Schwan am Neusser Markt betreibt, eröffnen ihren "Port Nassau" auf dem Freithof. Mehr als 100 000 Euro haben die Betreiber nach eigenen Angaben in ihr Projekt investiert, um bis zu 120 Gästen auf den mehr als 400 Quadratmetern großstädtische Gastlichkeit zu bieten.

Seit einer Woche probt das Gastro-Team den heutigen Stapellauf. "Port Nassau" zeigt in seinem Logo gekreuztes Besteck und nimmt mit den Begriffen Glaube, Liebe, Hoffnung Bezug zur Seefahrt. Kein Zufall, wie Hausherr Martin Rapp erklärt: "Traditionelle Werte, die zum Ort und zu uns passen, denn wir möchten den Menschen aus Neuss und Umgebung an diesem ganz besonderen Ort immer gut gelaunte Gastgeber sein - und wir freuen uns auf eine gute Nachbarschaft."

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Der "ganz besondere Ort", den Martin Rapp anführt, ist genau der Knackpunkt. Seine trendige Strandbar für ein großstädtisches Szene-Publikum liegt im wahrsten Sinne des Wortes im Schatten von St. Quirin. Das 800 Jahre alte Gotteshaus ist das Wahrzeichen der Stadt, gehört zu den bedeutenden Bauwerken der Spätromanik, ist Zentrum des Quirinus-Kults und die Neusser Hauptkirche. Die Frage, die unausgesprochen im Raum steht: Ist Gläubigen, die zum Schrein des heiligen Quirinus pilgern oder eine Messe besuchen, zuzumuten, an einer hippen Strandbar mit Feierwilligen in kurzen Hosen vorbeizulaufen?

Die Betreiber um van Hauten und Rapp versprechen, den Charakter des "ganz besonderen Ortes" zu respektieren. Laute Musik sei nicht vorgesehen, und die Öffnungszeiten seien auf kirchliche Hochfeste abgestimmt. "Man muss unsere Möblierung nicht schön finden", sagt Rapp, "aber was wir geschaffen haben, ist allemal besser als das, was vorher war." Seine Strandbar "Port Nassau" eröffnet er auf der über Jahre ungeordneten Decke einer unterirdischen Toilettenanlage.

Die Genehmigung liegt vor. Heute geht's offiziell los. Gleichwohl, das Strandbar-Konzept ist nicht unumstritten. Vor allem aus dem Rathaus kommt Kritik. Bürgermeister Herbert Napp spricht von eine "Katastrophe", und sein Planungsdezernent Christoph Hölters kommt zu dem Schluss, dass eine Chance vertan wurde. Als der Pfingststurm "Ela" die Platanen so sehr schädigte, dass sie gefällt werden mussten, ergab sich eine neue Situation. Die Stadt lässt den westlichen Teil des Freithofes überplanen. Sie will ihre Ideen noch in diesem Jahr im Rat vorstellen. "Nach dem sturmbedingten Wegfall der Bäume hat sich die Situation verändert und Raum für die Städteplanung eröffnet", sagt CDU-Chef Jörg Geerlings, "die Interessen der Anwohner und des Biergartenpächters müssen dabei angemessen einbezogen werden."

Die Betreiber halten einen Pachtvertrag über zehn Jahre mit Option in Händen - allerdings besitzt die Stadt - wie in solchen Fällen üblich - ein Sonderkündigungsrecht. Davon kann sie Gebrauch machen, wenn sie auf dem Platz eine Verbesserung des Stadtbildes anstrebt.

(NGZ)