Neuss: „Stoppt Landraub für Tempo“

Neuss: „Stoppt Landraub für Tempo“

Neuss Etwa 25 Aktivisten der Aktionsgemeinschaft "Robin Wood" für Natur und Umwelt blockierten Donnerstag für Stunden die Werkszufahrten der Firma Procter & Gamble an der Floßhafenstraße. Dies war die zweite Protestaktion bei dem Neusser Werk zur Herstellung von Klopapier und Tempo-Taschentüchern innerhalb von nicht einmal einem Jahr.

Neuss Etwa 25 Aktivisten der Aktionsgemeinschaft "Robin Wood" für Natur und Umwelt blockierten Donnerstag für Stunden die Werkszufahrten der Firma Procter & Gamble an der Floßhafenstraße. Dies war die zweite Protestaktion bei dem Neusser Werk zur Herstellung von Klopapier und Tempo-Taschentüchern innerhalb von nicht einmal einem Jahr.

Nötig wurde dieser erneute Protest aus Sicht von Robin Wood-Sprecherin Ute Bertrand, weil die Umweltschützer zwar nach der Aktion im Vorjahr mit dem Konzern gut ins Gespräch gekommen waren, dieser aber bisher keine Anstalten unternommen hat, mit den eigentlich Betroffenen - den indigenen Ureinwohnern Brasiliens - zu sprechen.

Das nennt "Robin Wood" verantwortungslos und brachte Donnerstag deshalb mit Paulo Henrique Vicente de Olivera und Antonio Carvalho zwei Vertreter dieser Völker mit. Sie sind Betroffene, weil das Unternehmen Aracruz, der weltweit größte Hersteller von ungebleichtem Zellstoff und Rohstofflieferant für Procter & Gamble, den Indigenen 11000 Hektar Land im brasilianischen Bundesstaat Espirito Santo geraubt hat um darauf Eukalyptusbäume in Monokulturen anzubauen.

Diese Auseinandersetzung, die nach Darstellung von Robin Wood im Januar mit der gewaltsamen Vertreibung von Indigenen gewaltsam eskalierte, beschäftigt inzwischen brasilianische Gerichte. "Nur eine solche Institution kann eine Entscheidung herbeiführen, die Rechtssicherheit herstellt, von beiden Seiten akzeptiert wird und somit eine nachhaltige und friedliche Lösung des Konfliktes gestattet", fasst Dr. Jörg Uhl, der Sprecher von Procter & Gamble in Deutschland, die Haltung des Unternehmens in diesem Punkt zusammen.

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"Wir werden unsere weitere Vorgehensweise vom Ausgang dieser Entscheidung abhängig machen", sagte Uhl weiter, verwies aber darauf, dass Aracruz sich dessen bewusst sei, dass der internationale Konzern eine friedliche Lösung des Streites anstrebt.

Robin Wood will das nicht abwarten. Donnerstag wurde der Neusser Geschäftsführung eine Erklärung überreicht, in der Procter & Gamble aufgefordert wird, die Zusammenarbeit mit Aracruz auf Eis zu legen, solange die Landkonflikte nicht gelöst sind.

Darüber hinaus kritisieren die Umweltschützer an dem Konzern, dass dieser gerade bei den Einmal-Produkten wie Klopapier oder Tempo-Taschentüchern nicht stärker auf Recycling-Papier setzt. Bertrand: "Procter & Gamble wird seiner ökologischen Verantwortung nicht gerecht. Denn im Gegensatz zu den meisten Konkurrenten hat der Konzern für den privaten Konsum nicht einmal Recyclingpapier-Produkte im Angebot."

InfoMehr Informationen unter www.robinwood.de/Tempo

(NGZ)
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