Neuss: Stolpersteine für Opfer aus dem Widerstand

Neuss: Stolpersteine für Opfer aus dem Widerstand

Mit Josef Giebels und Hermann Düllgen ehrt die SPD zwei politische Gegner des NS-Regimes. Zwei Stolpersteine für jüdische Mitbürger.

Mit Stolpersteinen aus der Werkstatt des Kölner Künstlers Gunter Demnig wird schon an 28 Stellen im Stadtgebiet an Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Gestern kamen vier weitere hinzu. Die Schaffung dieser Erinnerungsorte ermöglichen die Neusser Sozialdemokraten, die beim "Politischen Aschermittwoch" im vergangenen Jahr für diesen Zweck gesammelt hatten. Zu einem dieser vier Namen hat Michael Hohlmann vom Ortsverein Neuss-Stadtmitte, seit 46 Jahren Genosse, eine besondere Beziehung: "Ich habe Josef Giebels noch persönlich kennengelernt", sagt er über den politischen Widerstandskämpfer der SAP, der sich in den 1970er-Jahren wieder der SPD anschloss.

Johanna Frankenberg war unter den Deportierten, als am 22. Juli 1942 ein Sonderzug die Bewohner des letzten "Judenhauses" an der Küpperstraße nach Theresienstadt verschleppte. Die damals 72-jährige Witwe des Viehhändlers Siegmund Frankenberg wurde im September 1942 ermordet. An sie wird an ihrem letzten Wohnsitz, Rheinuferstraße 94, erinnert. Foto: Christoph Kleinau

Giebels war der einzige der vier gestern Geehrten, der den Krieg tatsächlich überlebte. Er konnte auch ein Porträt retten, das einer seiner Mithäftlinge im Zuchthaus Vechta von ihm machte. Dort saß Giebels ein, nachdem er 1935 wegen "Hochverrats" festgenommen und 1936 abgeurteilt worden war. Dieses Bild vertraute Giebels 1989 Michael Hohlmann an, der die Schriftleitung für eine Arbeit zur Geschichte der Neusser SPD übernommen hatte. An Giebels erinnert nun ein Stolperstein, der vor dem Haus Weißenberger Weg 81, einem Mehrfamilienhaus aus den 1920er Jahren, von Gunter Demnig verlegt wurde.

Adolf Cohen betrieb vor dem Krieg mit dem "Neusser Haushaltungsmagazin" eines der großen Kaufhäuser. Der jüdische Kaufmann wurde 1871 in Ruhrort geboren und zog 1901 nach Neuss, wo er sich im Vorstand seiner Gemeinde engagierte. Er wurde in Treblinka ermordet. An sein Schicksal erinnert ein Stolperstein vor dem Haus Büchel 31. Foto: Christoph Kleinau
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Mit seinen Stolpersteinen ist Demnig inzwischen international gefragter Gast und kann daher eigentlich nur noch einmal im Jahr kommen. Für Neuss macht er in diesem Jahr eine Ausnahme, denn am 8. Mai kommen Nachfahren der Familie Levi aus Argentinien. Sie wollen dabei sein, wenn am Büchel für Opfer aus ihrer Familie ein Stolperstein verlegt wird. Die SPD wird an diesem Tag einen weiteren Stolperstein für den jüdischen Mitbürger Karl Frohwein stiften. Der 1895 geborene Metzger aus Grimlinghausen war zwar zur Jahreswende 1944/45 noch nach Theresienstadt verschleppt worden, überlebte aber - und kehrte als einziger Jude nach Neuss zurück.

Hermann Düllgen war KPD-Mitglied und ein Mann des politischen Widerstandes. Er wurde 1936 wegen "Hochverrats" verurteilt und am 27. Oktober 1944 im Zuchthaus hingerichtet. Er ist im Erinnerungsbuch am Rathaus genannt, zudem trägt eine Straße seinen Namen. Ein Stolperstein erinnert an ihn, wo vor dem Krieg das Haus Brandgasse 8 war. Foto: -nau

Man habe darauf geachtet, dass Opfer des politischen Widerstandes ebenso wie jene des Holocaust geehrt werden, erklärt Hohlmann die Auswahl der SPD. Und: Es sollten stärker Menschen aus den Vororten erwähnt werden.

Josef Giebels, gezeichnet von einem Mithäftling im Zuchthaus Vechta. Foto: Christoph Kleinau
(-nau)
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