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Nüsser Ovend im All: Stimmung war himmlisch gut

Nüsser Ovend im All : Stimmung war himmlisch gut

"Wenn Patt möt Napp: Dat klapp! Wenn Napp gege Patt, bahl Schach matt!" So einfach gehts zu im Karneval: In seiner Begrüßung stellte Dr. Heinz Günter Hüsch, Vorsitzender der Heimatfreunde, heraus, dass der Nüsser Ovend allein schon dadurch ein besonderer Abend war, weil Landrat Dieter Patt und Bürgermeister Herbert Napp an einem Tisch vereint saßen (allerdings getrennt durch Schützenkönig Hans Josef Uhr und dessen Frau Roswitha).

Doch nicht nur der Schützenkönig erwies sich als begeisterter Ovend-Gast, auch das Prinzenpaar Hans IV. und Trudi besuchte den Nüsser Ovend - mit großem Gefolge. Der erkältete Prinz musste seine Stimme schonen und überließ das Mikrofon ganz seiner Novesia. In den Büttenreden und Liedern schälten sich schnell die herausragenden kommunalen Themen der letzten Monate heraus: die neue Skihalle, das verregnete Schützenfest plus Präsidentenwechsel im Komitee, natürlich auch die "Schilderpanne" im Kreisstraßenverkehrsamt. Auch musikalisch hatte der 73. Nüsser Ovend mit "De Räuber", Peter Horn, Colör und Bruce Kapusta gute wie stimmungsvolle Beiträge zu bieten.

"Der Planet Neuss ist ein schwarzes Loch". Damit führte Prologius Friedhelm Ruf (Foto rechts), stellvertretender Redaktionsleiter der NGZ und als Grevenbroicher für die Kreis-Berichterstattung zuständig, sein aufmerksam lauschendes Publikum in die Welt des Mottos ein: "Nüsser Kall em All". Das schwarze Loch war nicht politisch gemeint, sondern bezog sich die paar Tage im August, in denen sich alles aufs Schützenfest verdichtet. Heinz Sahnens Einsatz als "Feuerwehrmann" im Landtag führte er ebenso genüsslich vor ("war brav in der Jungen Union ganz ohne Terz/keine Kneipen zerlegt wie der Friedrich Merz") wie Hans-Ulrich Klose als langjährigen CDU-Kreisvorsitzenden: "Immer seh ick dem Landrat seine Klunker/ick muss sagen, der Mann hat Mut/der Herr der Ringe, janz absolut/det is zwar nich nach meinem Geschmack/dann lieber schon nen Armagnac."

Ausführlich ging Ruf auch auf das Komitee der Neusser Bürgerschützen ein und den Krach, nachdem Präsident Dr. Reinartz beim Oberstehrenabend fehlte. Auch König Dieter Krüll fühlte sich vom Komitee verlassen: "Den Präsidenten kannte er nur entfernt, hatte ihn bis dahin gar nicht kennengelernt, nach dieser Königsrede waren die Schützen im Beifall vereint und Bertold hat geweint." Auch Herbert Napp, der bei der Eröffnung der Skihalle in den Schnee stürzte, wurde nochmals daran erinnert, ebenso an sein Mandat: "Vielleicht sagt ihm das mal einer zur Abgewöhnung, das war damals eine Wahl und keine Krönung."

Klar, dass ein Prologius auch den Stadtkämmerer nicht ungeschoren davonkommen lassen kann: "Dunkel wars, der Mond schien helle/als der Gravemann blitzeschnelle/langsam Richtung Skihalle schritt/den Teer brachte er im Dienstwagen mit."

Zum ersten Mal in der Bütt war Domvikar Robert Kleine. Er entpuppte sich als eine gute Neuentdeckung. Das Mitglied im BKG-Elferrat kannte sich gut in der Nüsser Politik aus: Die russische Raumstation Mir wird gezielt bei Gut Gnadental zum Absturz gebracht. "Dieter Patt hat Interesse an dem Schrott". Die Familie Hüsch, "das sind ja die Bushs von Neuss", wurde ebenso bedacht wie Präsident Reinartz ("ein Komet am Schützenhimmel: Selten zu sehen, aber wenn, dann strahlte er") und dessen Nachfolger Thomas Nickel. Der habe Roland Koch und Helmut Kohl eingeladen, bei den Scheibenschützen mitzumachen: "Dann hätten sie wenigstens drei Tage eine weiße Weste."

Ein absolutes Stimmungshoch bescherte das Trio Ackermann-Baaken-Hüsch (Foto). Die drei Neusser traten als Matrosen zur Hafen-Fusion in Höchstform auf. Keine politischen Leichtmatrosen, sondern Piraten in eigenen Polit-Gefilden. Zur Olympiade könnte die Neusser CDU-Fraktion als vier Achter ohne Steuermann antreten. Sie besangen das Rapsöl, das im Hafen zum Himmel stinkt, forderten ein Investorgenie für Wasserski. Mit Schirmchen bewaffnet erinnerten sie zu "Singing in the rain" ans Schützenfest, befürchteten, Dieter Krüll sei eingelaufen, beklagten die Nickel-Allergie des Lockenkopf-Notars und empfahlen dem Dorint-Hotel, sich in "Doschwein-Hotel" umzubenennen. Zum Kreishaus fielen ihnen nur Aldi-Tüten ein. Golf-Spieler Napp warnten sie: "17 Schläge geht alles glatt, am 18. Loch wartet Dieter Patt."

Beim Kurz-Besuch des Neusser Prinzenpaares kamen die Funkenmariechen der rot-weißen und blau-weißen Garde gar nicht zum Einsatz. Umso mehr sorgten die "Heiligen Knechte und Mägde" aus Köln für karnevalistischen Trubel. Kölsche Stimmung kam mit Ex-Höhner Peter Horn auf, auch die blonde Kölsche Girlgroup "Colör" fegte wie ein frischer Wirbelwind über die Bühne. Für "De Räuber" war es ein gerne absolviertes Heimspiel. Sie sind aus dem Nüsser Ovend nicht mehr wegzudenken, auch wenn sie sich in diesem Jahr nicht viel Zeit für ihre Neusser Fans ließen. Nach den drei Räubern hatten es "Filz und Klüngel" alias Alfons Buschhüter und Michael Erb extrem schwer. Sie reimten Chirurgie auf Après Ski, Kippen auf rote Sippen, texteten "Love me tender", "Volare" oder "Rote Lippen" um. Leider blieben sie beim Nüsser Ovend weit hinter ihren Möglichkeiten zurück.

Nicht nur karnevalistische, sondern auch sehr romantische und melancholische Töne brachte zum Schluss Solotrompeter Bruce Kapusta in die Stadthalle. Der eigentlich Star des Abends war aber das Publikum: Von Anfang an bis zum Finale war die Stimmung ausgelassen und fröhlich.