1. NRW
  2. Städte
  3. Neuss

Getötete Rentnerin aus Neuss: Stiefsohn überzeugt: Mein Vater ist kein Mörder

Getötete Rentnerin aus Neuss : Stiefsohn überzeugt: Mein Vater ist kein Mörder

Mit Zeugenaussagen ist am Düsseldorfer Landgericht der Prozess um den Mord an der 86-jährigen Rentnerin aus Reuschenberg fortgesetzt worden. Unter anderem vernahm Richter Rainer Drees auch den Stiefsohn des Angeklagten.

Der Ingenieur machte sich massiv für den 78-Jährigen stark und erklärte, sein Vater habe die Tat nicht begangen. "Er ist nicht mein Stiefvater, er hat mich großgezogen und immer unterstützt", sagt der Zeuge, "ich bezeichne ihn deshalb als Vater."

Nach dessen Festnahme und dem angeblichen Geständnis Anfang Dezember letzten Jahres war für den Mann zunächst eine Welt zusammengebrochen. "Ich hatte damit nicht gerechnet." Dann aber habe er den Angeklagten intensiv befragt, um herauszufinden, ob er den Mord wirklich begangen habe oder nicht. "Ich habe ihm gesagt, dass er immer mein Vater bleiben wird, egal, was er getan hat. Er hat mir versichert, meine Tante nicht getötet zu haben. Ich glaube ihm."

Vielmehr geht der Stiefsohn des Angeklagten davon aus, dass seine Tante das Opfer eines Einbrechers geworden sein könnte. "Zuerst hatten wir gedacht, sie sei gefallen und dabei ums Leben gekommen. Allerdings stand bei ihr die Kellertür immer offen. Das konnte man auch von außen sehen." Deshalb sei es durchaus denkbar, dass ein Einbrecher die 86-Jährige im Haus überrascht und getötet habe.

Das angebliche Geständnis seines Stiefvaters bei der Polizei ist für den Ingenieur nicht mit rechten Dingen zu Stande gekommen. "Meine Mutter und mein Vater waren zum Tatzeitpunkt schwerkrank. Trotzdem hat die Polizei beide stundenlange vernommen." Letztlich habe der 78-Jährige den Beamten eine Geschichte erzählt und gesagt, was sie hören wollten — davon jedenfalls ist der Sohn überzeugt. "Die Vorgehensweise der Polizei ist aus meiner Sicht mehr als fragwürdig. Mein Vater war damals geschwächt und abgemagert."

Laut Gutachten ist die Rentnerin erstickt worden. Ein Experte erklärte Freitag im Prozess, der Täter habe ihr neun Mal auf den Kopf geschlagen, dadurch sei auch der große Blutverlust zu erklären. Letztlich sei sie aber erstickt worden — entweder durch ein Kissen oder ein Handtuch.

Der Prozess soll am nächsten Freitag fortgesetzt werden. Dann will das Gericht die beiden Kripo-Beamten vernehmen, bei denen der Angeklagte die Tat gestanden haben soll.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Oktober 2012: Seniorin in Neusser Wohnung getötet

(url)