Prozess vor Landgericht Düsseldorf Neusser wegen Millionenbetrug im Autohandel angeklagt

Düsseldorf/Neuss · Ein Neusser soll sich an bandenmäßiger Steuerhinterziehung beteiligt haben. Insgesamt habe die Gruppe so Steuern im mittleren zweistelligen Millionenbereich hinterzogen. Die Details.

 Für den Prozess gegen die Bande sind vorerst zwei Verhandlungstage angesetzt.

Für den Prozess gegen die Bande sind vorerst zwei Verhandlungstage angesetzt.

Foto: Bretz, Andreas/Bretz, Andreas (abr)

Ein Neusser muss sich in den nächsten Wochen vor Gericht verantworten – vorgeworfen wird ihm Steuerhinterziehung. Der Prozessauftakt findet am 20. Juni vor dem Landgericht Düsseldorf statt. Aktuell sind zwei Prozesstage sowie ein weiterer Termin zur Urteilsverkündung angesetzt.

Konkret soll der Mann, welcher bereits zuvor im Autohandel tätig gewesen sei, bereits im August 2019 eine Firma mit Sitz in Neuss gegründet haben, um illegalen Autohandel zu betreiben. Insgesamt seien mit dieser Firma Umsatzsteuern in Höhe von über fünf Millionen Euro hinterzogen worden.

Aus seinen vorherigen Tätigkeiten in der Automobilbranche habe er bereits eine Vielzahl von Kontakten zu Fahrzeughändlern im In- und Ausland gehabt. Dem Mann wird vorgeworfen, gewusst zu haben, dass einer der anderen Angeklagten Autos „netto“ beziehungsweise unter dem fälschlichen Ausweis der Differenzbesteuerung verschaffte. Bei dieser besonderen Form der Umsatzbesteuerung wird nur die Differenz zwischen dem Ein- und Verkaufspreis versteuert. Dem Angeklagten sei bewusst gewesen, dass durch die Anwendung der Differenzbesteuerung die Umsatzsteuer in Portugal hinterzogen worden sei.

Weiter wird dem Neusser eine Zusammenarbeit mit anderen Angeklagten vorgeworfen – Ziel dieser Kooperation war es, Fahrzeuge über Scheinfirmen in Italien und Ungarn zu verkaufen, obwohl die Geschäfte tatsächlich in Deutschland stattfanden. Der Angeklagte habe gewusst, dass die von ihm verkauften Fahrzeuge niemals zu den Geschäftsadressen der italienischen beziehungsweise ungarischen Firmen gebracht wurden, sondern der Abnehmer jeweils ein deutscher Fahrzeughändler gewesen sei.

Dem Mann wird außerdem vorgeworfen, gewusst zu haben, dass alle Fahrzeuge, die er an die ausländischen Firmen verkaufte, wiederum so weiterverkauft wurden, dass es den Zwischenhändlern und deren Kunden im In- und Ausland ermöglicht wurde, bei einem Weiterverkauf die Umsatzsteuern zu hinterziehen.

Die fünfköpfigen Bande meldete ihren gewerblichen Fahrzeughandel nicht an – die Geschäfte wurden daher in der Rechtsform einer offenen Handelsgesellschaft (OGH) betrieben. Ihnen wird vorgeworfen, Umsatzsteuern zugunsten der OHG von über 37 Millionen Euro hinterzogen zu haben.

(fhi)