Neuss: Stephan Sulke singt und erzählt

Neuss : Stephan Sulke singt und erzählt

Mit seinem Programm "Enten hätt' ich züchten sollen ..." gastiert der Liedermacher und Sänger Stephan Sulke am kommenden Mittwoch im RLT. Darin mischt er alte, aber neu arrangierte und ganz frische Songs. Sein Lied "Uschi, mach kein Quatsch" ist mittlerweile legendär.

Mit Stephan Sulke über seine Arbeit zu reden, heißt zunächst mal, sich von einem Begriff zu verabschieden. "Arbeit" – dieses Wort empfindet der 68-jährige Liedermacher und Sänger für sich als absolut unpassend. "Ich arbeite nicht", sagt er kategorisch. Wie bitte? Er tritt doch immer noch auf, macht Tourneen, lebt zeitweise deswegen in Hotels ... Aber nein, das ist für Sulke keine Arbeit, sondern "ein Gemisch aus dilettantischem Vergnügen und katzenhaften Jagdinstinkt"; das liebt er, kann sich für sein Leben nichts anderes vorstellen. "Ich bin jemand, der seit seiner Geburt noch nie gearbeitet hat", sagt er fast vergnügt. Denn "Arbeit" – die definiert der Künstler als etwas, "was man hasst, aber macht, um leben zu können". Und davon ist Stephan Sulke ganz weit entfernt.

Also ist auch das Gastspiel im Rheinischen Landestheater beim Festival der Sterne für Sulke keine Arbeit. Er mag es vor allem, in kleineren Sälen zu spielen, würde, "wenn es rentabel wäre, am liebsten vor maximal 100 Zuschauern auftreten", sagt er. Das RLT aber schätzt er trotz seiner 450 Zuschauerplätze: "Mit Handkuss" nehme er Offerten aus solch "schönen Häusern" an: "Die sind nämlich dünn gesät und oft auch noch falsch besetzt."

"Enten hätt' ich züchten sollen ..." heißt sein Programm, und wenn man ihn in fast nüchtern zu nennender Offenheit von der "Kulturarroganz" oder der "Kulturdiktatur" in anderen bundesdeutschen Einrichtungen reden hört, kommt einem der Titel fast kokett vor. Dabei ist das wohl das letzte, was man von dem Künstler behaupten darf. Denn längst hat Sulke sich eine Haltung zugelegt (die er leicht spöttisch mit Altersarroganz und Altersbescheidenheit charakterisiert), die von Gelassenheit geprägt ist. Lampenfieber kennt er nicht mehr, Angst vorm Scheitern auch nicht, "denn was soll geschehen, wenn ich einfach erzähle, was mir passiert ist?" sagt er und ergänzt: "Das Publikum ist doch kein Feind." Außerdem: "Ich bin mir meiner eigenen Unwichtigkeit im Verhältnis zur ganzen Welt immer mehr bewusst."

Aber die Welt, sprich: sein Publikum, liebt ihn. Ihn und die "Uschi", die ihn vor rund 30 Jahren bekannt gemacht hat und heute immer noch verlangt wird. "Ist ja auch ein cleveres Lied", sagt Sulke lachend und freut sich einfach darüber, dass "es ein Volkssong geworden ist". Und auf die Nerven geht ihm "Uschi" auch noch nicht, obwohl er sie schon "mindestens 100 Mal gegeben" hat. Und die "Uschi", so sagt er auch, habe ihm ein weitaus größeres Publikum erschlossen als jedes andere einer Lieder. "Man muss es schließlich akzeptieren", meint er ganz trocken, "dass man immer nur ein bestimmtes Publikum erreicht." Diesem, so verspricht er für seinen Auftritt in Neuss, will er mit seinem Programm "kleine Herzgeschichten der poetischen Melancholie" singen und erzählen.

(NGZ)
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