Steeze Park in Norf: Die schmutzigste Radstrecke in Neuss

„Steeze Park“ in Norf : Die schmutzigste Radstrecke in Neuss

Die neue Dirtbike-Strecke in Norf

Am 27. April wird die sogenannte Dirtbike-Strecke neben dem Von-Waldthausen-Stadion in Norf offiziell eröffnet. Unser Redakteur hat sie getestet. Eine Geschichte von Angst, Körperbeherrschung – und Atemlosigkeit.

Die Frage nach seinen Verletzungen hätte ich besser nicht gestellt. Als Urs von Leberriss, Fußbruch, Prellungen und Co. erzählt, bezweifele ich, dass mein Vorhaben an diesem Nachmittag so eine gute Idee ist. Ob sich die Angst als berechtigt herausstellte?

Beim Betreten der Dirtbike-Strecke in Norf, die ich heute teste, fällt der erste Blick auf die Respekt einflößenden, meterhohen Berge aus Erde. Über sie fliegen erfahrene Dirtbiker mit einer Leichtigkeit, dass man denken könnte, es wären Maulwurfshügel. Meine Angst, dass ich gleich ins kalte Wasser geschmissen werde, nimmt mir Urs, der den sogenannten Steeze Park mit den anderen leidenschaftlichen Dirtbikern des TSV Norf aufgebaut hat, schmunzelnd. Es gibt fünf Schwierigkeitsgrade. „Du machst heute den ersten“, sagt der 23-Jährige.

Hinter der Anfänger-Stufe verbirgt sich der „Pump-Track“. Das Ziel bei dieser speziell angelegten Strecke: Lediglich durch Hochdrücken des Körpers – also ohne zu treten – Geschwindigkeit aufbauen. Dabei soll das Fahrgefühl zunächst spielerisch vermittelt werden.

Mein Gefährt an diesem Tag wird mir vorgestellt als „der Porsche unter den“ Dirtbikes. Das knallig-orange Modell wiegt gerade einmal zehn Kilogramm. Meine Frage, wieso weder Licht noch Gepäckträger angebracht worden sind, erntet spöttisches Gelächter.

„Du musst die Bewegungen der Strecke mitnehmen“, sagt Urs. Körperspannung sei dabei mit das Wichtigste. Wie es funktionieren kann, zeigt mir der Profi bei einer Proberunde. Er legt die Latte für mich in astronomische Sphären: Teilweise schwebt er nur auf einem Rad durch die Strecke. „Jetzt versuch du mal“, sagt er schmunzelnd.

Schon vor dem ersten Tritt ins Pedal mache ich den ersten Fehler: Ich setze mich hin! „Der Sattel ist nur Deko“, sagt Urs. Der Start läuft dann aber eigentlich ganz flüssig. Bei den kleinen Erhebungen kommt ordentlich Schwung auf, allerdings zögere ich vor den zwei steilen Kurven und fahre sie nur in äußerst gemäßigtem Tempo an. Dadurch begehe ich direkt den nächsten Fehler: Ich trete in die Pedale. Dafür ist der Pumptrack, wie zuvor bereits erwähnt, nicht vorgesehen.

Erst nach mehrmaliger Korrektur von Urs bekomme ich ein Gefühl dafür, wie ich mich bewegen muss, um ein wenig Geschwindigkeit zu entwickeln. Doch bereits nach fünf Runden bemerke ich, wie meine Kräfte schwinden. „Anstrengend, oder?“, fragt Hendrik lachend, der ebenfalls auf der Strecke aktiv ist. Dass Dirtbiking körperlich von Außenstehenden unterschätzt wird, stellen sie immer wieder fest. Aber durch die durchgängige Anspannung ist es sozusagen ein Ganzkörper-Workout. Wer braucht da noch ein Fitness-Studio?

Offiziell eröffnet wird der „Steeze Park“ am Samstag, 27. April. Um 11 Uhr geht es los. Wer Interesse hat, den Sport selbst einmal auszuprobieren, hat dann jeden ersten und dritten Sonntag im Monat die Gelegenheit dazu. Weitere, kurzfristige Termine werden auf der Facebook-Seite der Truppe veröffentlicht. Für Biker, die regelmäßig dort fahren möchten, legt Urs Kusche nahe, Mitglied im TSV Norf zu werden. Aber auch Einmal-Fahrten gegen eine kleine Gebühr für 2,50 Euro pro Tag sind möglich.

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