Start-up „BioThrust“ Frank Thelen investiert in Neusser Gründer

Neuss · Mit einer neuen Begasungslösung wollen die Gründer des Start-ups „BioThrust“ die Stammzellentherapie für alle bezahlbar machen. Eine Idee, die auch Frank Thelen überzeugt hat. Was sie mit der Unterstützung des Investors erreichen wollen.

 Alexander Pass (v.l.) und Frank Thelen von "Freigeist Capital" freuen sich auf die Zusammenarbeit mit Patrick Bongartz, Konstantin Kurz und Moritz Meyer.

Alexander Pass (v.l.) und Frank Thelen von "Freigeist Capital" freuen sich auf die Zusammenarbeit mit Patrick Bongartz, Konstantin Kurz und Moritz Meyer.

Foto: BioThrust

Was vor rund drei Jahren mit einer Auszeichnung der Hochschule Aachen begann, hat mittlerweile sogar die Aufmerksamkeit von Frank Thelen erlangt: Das Start-up „BioThrust“ will mit der Unterstützung des Unternehmens „Freigeist Capital“ – hinter welchem der TV-bekannte Investor steckt – erste Pilotprojekte realisieren und bald schon auf den Markt bringen. Das Unternehmen aus Aachen hat sich auf die Entwicklung von neuartigen Bioreaktoren spezialisiert. „Unser Ziel ist die Bereitstellung einer universellen Zellvermehrungsplattform, in der wir hohe Konzentrationen der therapeutisch aktiven Zellen erreichen“, sagt Patrick Bongartz, gebürtiger Neusser und Geschäftsführer von „BioThrust“. Mit ihrer Technologie soll eine teure Stammzellentherapie für alle bezahlbar werden – aber wie?

Bislang sind mit einer Stammzellentherapie, die bei der Behandlung von kaum therapierbaren Erkrankungen wie Diabetes I, Alzheimer oder verschiedenen Krebsarten zum Einsatz kommt, mit großen Produktionskosten verbunden. Aktuell braucht man für die Herstellung der Zellen nämlich einen hohen Personaleinsatz und kleinvolumige Laborgeräte, die vor allem für die Forschung ausgelegt sind. Die Folge: Die benötigten Stammzellen können nicht in ausreichend großen Mengen hergestellt werden, um die Forschungsansätze in zugelassene Therapien zu überführen.

Bei genau diesem Problem setzt das Start-up mit einem neuartigen bionischen Ansatz an. Innerhalb des entwickelten Bioreaktors soll eine Umgebung geschaffen werden, die der des menschlichen Körpers ähnelt und somit das optimale Wachstum der Stammzellen fördert. Durch das „natürliche“ Umfeld würden die Zellen geschont und könnten sich effektiv vermehren, sodass viele Patienten gleichzeitig mit nur einem Prozessdurchlauf versorgt werden könnten. Das heißt: Mit einem steigenden Zellertrag sinken die Herstellungskosten der Therapien – zur Freude der Patienten. Die müssen aktuell nämlich mit Rechnungen über 100.000 Euro für eine einzelne Anwendung rechnen.

Doch nicht nur das: Eine besondere Begasungstechnologie der Bioreaktoren von „BioThrust“ ermöglicht den Entwicklern zufolge erstmals die direkte Übertragung des biologischen Prozesses „aus der Petrischale“ in den industriellen Standard. Dadurch ermöglichen sich ganz neue Anwendungen. So könne der Reaktor künftig nicht nur in der Biomedizin, sondern auch in anderen Bereichen wie der Herstellung von Clean Meat und synthetischen Biologika eine entscheidende Rolle spielen. „Ein System, das von der grundsätzlichen Entwicklung in der Uniklinik bis zum industriellen Produzenten genutzt werden kann“, fasst Bongartz zusammen.

„BioThrust hat das Potenzial, Millionen von Menschen den Zugang zu revolutionären Stammzelltherapien zu ermöglichen. Wir freuen uns darauf, das Team der RWTH Aachen mit unserer Erfahrung beim Aufbau zu einem weltweit relevanten BioTech Unternehmen zu unterstützen“, sagt Frank Thelen, Geschäftsführer von „Freigeist Capital“. Im nächsten halben Jahr soll mit der Unterstützung des Investors und seinem Team die Leistungsfähigkeit der Plattform bei den häufigsten Stammzelltypen demonstriert und der erste Bioreaktor für die Therapieentwicklung auf den Markt gebracht werden. Die drei Gründer – Patrick Bongartz, Moritz Meyer und Konstantin Kurz – bauen dafür grade ein interdisziplinäres Team aus Produktentwicklungs-Ingenieuren, Biotechnologen und Elektrotechnikern auf, um ihre Mission „Stem cell therapies for everybody” (Stammzellentherapie für jedermann) schnellstmöglich zu erreichen.

Damit widmet sich Frank Thelen einem weiteren Technologie-getriebenen Start-up. Im Portfolio seines Unternehmens finden sich unter anderem der biopharmazeutische Wirkstoffentwickler „Prosion Therapeutics“, das Urban Air Mobility Start-up „Lilium“, der Energiespeicher „Kraftblock“, das Roboter-Start-up „RobCo“, und das NewSpace Unternehmen „EnduroSat“.

(jus)
Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort