Neuss: Starker Zulauf bei Piraten

Neuss : Starker Zulauf bei Piraten

Seit dem sensationellen Wahlerfolg in Berlin ist das Interesse an der Piratenpartei auch im Rhein-Kreis stark gestiegen. Die Neusser Gruppe feierte zudem beim Bundesparteitag einen großen Erfolg.

Der 18. September dürfte für die Neusser Piratenpartei ein Termin fürs Geschichtsbuch sein. Denn die fast neun Prozent, die ihre Kollegen bei der Abgeordnetenhauswahl in Berlin an diesem Tag holten, gilt für sie als Initialzündung, um bei den nächsten Wahlen auf kommunaler Ebene in die Ratssäle zu ziehen. "Wir wollen 2014 Fraktionsstatus erreichen und das schaffen wir auch", sagt der Neusser Piraten-sprecher Lukas Lamla.

Er registriert einen starken Zulauf bei den regelmäßigen Stammtischen. War es anfangs nur eine Hand voll Getreuer, die sich, mit Laptop bewaffnet, im Hinterzimmer einer Kneipe traf, so hat sich das Interesse an der Mitmach-Partei stark verändert. "Zwischen 20 und 40 Leute nehmen an den Stammtischen teil", so Lamla. Eine Zahl, um die sie so manche etablierte Partei beneiden würde. Lamla: "Mitunter ist es schon schwierig, die Tagesordnung zu erstellen und die gewünschten Themen abzuarbeiten."

Im Rhein-Kreis Neuss zählt die Piratenpartei inzwischen 121 Mitglieder. Damit liegt sie in NRW auf Rang fünf der mitgliederstärksten Städte bzw. Kreise, hinter den Großstädten Köln (208 Mitglieder), Düsseldorf (150), Dortmund (149) und Bonn (139), aber vor der Uni-Stadt Aachen (104).

Künftig wird es neue Stammtische geben, geplant sind Premieren noch in diesem Monat in Jüchen (im Wechsel mit Grevenbroich) und im Januar in Kaarst. Ziel könnte die Gründung eines Kreisverbandes sein. "Das werden wir diskutieren", so Lamla. "Allerdings sehen wir keinen Bedarf, uns an althergebrachte Strukturen überzustülpen."

Im parteiinternen Ansehen haben die Neusser Piraten beim Bundesparteitag vor einer Woche in Offenbach gepunktet, wo sie mit einem Dutzend Leuten dabei waren. Dort wurde nämlich der vom Neusser Daniel Neumann (27) entwickelte 42-seitige Entwurf für ein neues Urheberrecht mit großer Mehrheit verabschiedet. "Das war ein ergreifendes, überwältigendes Gefühl", gesteht der Student der Medieninformatik, der am Quirinus-Gymnasium sein Abitur baute.

Ein Punkt in diesem Konzept, das jetzt offizieller Bestandteil des Parteiprogramms der Piraten wird, betrifft die Legalisierung von Tauschbörsen. Das heißt von Netzen, in denen (Musik)Daten ohne kommerziellen Hintergrund getauscht werden. Ebenso soll die Schutzfrist bei Urheberwerken von derzeit 70 auf zehn Jahre reduziert werden.

(NGZ)
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