Stadtwerke Neuss stärken Stromnetze und E-Mobilität

Bilanz 2018 vorgelegt : Stadtwerke stärken Stromnetze und E-Mobilität

Eine „Rekordwertschöpfung“ von 28 Millionen Euro melden die Stadtwerke Neuss mit der Bilanz 2018. Geld fließt in Bäder und ÖPNV. Eine Übersicht.

Ausbau, Erneuerung, Erschließung, Neubau – schon die Stichworte zu Bilanz und Ausblick der Stadtwerke Neuss lassen keinen Zweifel aufkommen: 2018 war ein gutes Jahr für das Versorgungsunternehmen der Stadt – und 2019 soll dem nicht nachstehen.

Nach Steuern und nach Ausschüttung an die Minderheitsgesellschafter weisen die Stadtwerke für 2018 einen Konzerngewinn von rund 9,3 Millionen Euro (2017: 5,9 Millionen Euro) aus. Damit liegt das Ergebnis trotz leicht gesunkener Umsatzerlöse – 195 Millionen Euro (2017: 199,1 Millionen Euro) unter Berücksichtigung einmaliger Sondereffekte über dem Plan-Ansatz. Stephan Lommetz, Vorsitzender der Geschäftsführung, spricht von einem „guten Jahr“ mit einem soliden, teilweise auch erfreulichen Geschäftsverlauf.

Strom, Gas, Wasser, Wärme

Trotz härteren Wettbewerbs konnte die Stadtwerke Neuss Energie und Wasser GmbH ein Ergebnis über dem Plan-Ansatz erzielen. Der Stromabsatz stieg entgegen dem  Branchentrend auf 355 (2017: 352) Gigawattstunden (GWh), der Gasabsatz auf 1465 (2017: 1448) GWh. „Wir haben weniger Kunden verloren als erwartet und konnten mit guten Produkten und neuen Marketingstrategien auch neue gewinnen“, sagt Lommetz. Offenbar setze sich bei vielen nach einigen Pleiten von Billigstromanbietern die Erkenntnis durch, dass sich häufige Wechsel von einem Kampfpreisanbieter zum nächsten unter dem Strich betrachtet nicht immer lohnen: „Wir haben es ausgerechnet: Wer zum Beispiel wegen Insolvenzen eines Anbieters Abschläge oder Prämien verliert, fährt über längere Zeit betrachtet mit den Angeboten der Stadtwerke günstiger“, sagt Lommetz.

Auch der Wasserabsatz ist nach Angaben der Stadtwerke 2018 im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen. Der Fernwärmeabsatz blieb mit 18,8 (2017: 18,7) GWh nahezu konstant.

Windkraft

Die beiden Stadtwerke-Windräder bei Hoisten, produzieren seit 2017 Strom, mit dem rund 3100 Haushalte versorgt werden können.

Elektromobilität und Netzausbau

Die Stadtwerke Neuss investieren in E-Mobilität. „Wir haben für 2019 insgesamt 100 Ladepunkte im Stadtgebiet versprochen, 76 sind es schon. Das Ziel werden wir auf jeden Fall erreichen“, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Ekkehard Boden. Die Ladesäulen befinden sich im öffentlichen, halb-öffentlichen, aber auch im gewerblichen und privaten Bereich. Als Konsortialführer im Forschungsprojekt „Electric City Neuss“ versuchen die Stadtwerke zudem seit 2018 gemeinsam mit der Stadt Neuss und der Universität Wuppertal Erkenntnisse für die Ausrichtung der Stromnetze der Zukunft zu gewinnen.

Nahverkehr

Die Verkehrsbetriebe der Stadtwerke Neuss haben 2018 insgesamt 22,9 Millionen Fahrgäste befördert – ein Ergebnis auf Vorjahresniveau. Seit dem Frühjahr haben die Stadtwerke eine neue Version der „neuss mobil“-App für den mobilen Ticketkauf im Angebot. Im ersten Halbjahr 2020 soll die elektronische Fahrkarte „nextTicket“ im Bereich Neuss/Düsseldorf mit einem Abrechnungsmodell nach Luftlinienkilometern, unabhängig von der gewählten Route, an den Start gehen. „Damit wird ÖPNV einfacher“, sagt Lommetz. Vor allem Gelegenheitsfahrer sollen so motiviert werden, öfter das eigene Auto stehen zu lassen. Neue Impulse versprechen sich die Stadtwerke auch vom Modellversuch mit einer neuen Mobil- und Sharing-Station am Niedertor. Dort sollen ÖPNV, E-Mobilität, Carsharing und Fahrrad verknüpft werden. „Wir sind gespannt, wie die Kunden reagieren, welche Angebote genutzt werden“, so Lommetz. Im Erfolgsfall könnten ähnliche Stationen an weiteren Stellen im Stadtgebiet entstehen.

Freizeiteinrichtungen

Insgesamt zählten die Stadtwerke im vergangenen Jahr 764.000 Gäste in den drei Schwimmbädern, der Eissporthalle und im Wellneuss. Investiert hat die Stadtwerketochter Neusser Bäder und Eissporthalle GmbH im Wellneuss und in die Sanierung des Freibadbereichs im Südbad. Dort läuft das neue Außenbecken seit kurzem im Testbetrieb. Mit den Schulferien soll es regulär nutzbar sein.

Contracting

Für die Stadtwerke-Contracting-Tochter gc Wärmedienste GmbH melden die Stadtwerke Steigerungen bei Umsatz und Ergebnis. Bundesweit hat „german contract“ inzwischen über 2700 Gebäude mit modernster Heiztechnik ausgerüstet.

Investitionen

Ohne Finanzanlagen haben die  Stadtwerke Neuss 2018 rund 22 Millionen Euro investiert. Das Geld floss vor allem in Gas- und Stromnetzanlagen, in die E-Mobilität und das Contracting. Der Ausbau des Stromnetzes – vor allem für den Ausbau der E-Mobilität, bei der ohne leistungsfähige Stromnetze nicht viel geht – ist auch 2019 einer der Investitionsschwerpunkte des Versorgungsunternehmens: „Wir schaffen Sicherheit in der Infrastruktur. Das ist vielen, bei allem Ärger über Baustellen, gar nicht bewusst“, so Lommetz. Neuss setze auf Wachstum und stelle sich darauf ein. „Wir leben zum Glück nicht in einer Stadt, die sich kaputt spart.“

Mitarbeiter

Im Durchschnitt beschäftigten die Stadtwerke Neuss 2018 erneut über 500 Mitarbeiter.

Wertschöpfung und Ausschüttung

Über den erzielten Jahresüberschuss hinaus schreiben sich die Stadtwerke einen wesentlichen Anteil zur Daseinsvorsorge in Neuss auf die Fahnen. Rechne man die Übernahme der Verluste aus den defizitären Bereichen Bäder und Eissporthalle, den Busverkehr, die Konzessionsabgaben und Steuern hinzu, so ergebe sich durch die Tätigkeiten der Stadtwerke Neuss allein 2018 eine „Rekordwertschöpfung für die Stadt“ in Höhe von rund 28 Millionen Euro (2017: 25,5 Millionen Euro). Fünf Millionen Euro sollen – nach Beschluss durch die Gesellschafterversammlung – an die Stadt ausgeschüttet werden. Vier Millionen Euro fließen in die Gewinnrücklage, womit das Eigenkapital für weitere Investitionen in die Bäder und in neue Mobilitätskonzepte gestärkt werden soll.

Noch unklar ist, welche Folgen die von den Energiekonzernen Eon und RWE angestrebte Aufteilung ihrer Geschäftsbereiche für die Stadtwerke Neuss haben wird. Die RWE-Ökostrom- und Netztochter Innogy, die mit 24,9 Prozent an der Stadtwerketochter Neuss Energie und Wasser GmbH beteiligt ist, soll zerschlagen werden. Noch wird der Eon-RWE-Deal von der EU-Kommission geprüft. „Erst mit der Freigabe können wir konkret verhandeln“, sagt Lommetz. Die Optionen reichen von einer neuen Beteiligung durch RWE oder ein verstärktes Engagement der Thüga AG, die bereits mit 15 Prozent an Neuss Energie und Wasser beteiligt ist, bis zu einer Erhöhung des Gesellschaftsanteils der Stadtwerke selbst.

Angedacht wurden auch neue Konstellationen unter Einbeziehung der Stadtwerke Willich und Meerbusch. Was davon ernsthaft geprüft und gegebenenfalls verhandelt werden kann, wird sich aber erst nach dem Spruch der EU-Kommission, der für den 20. September erwartet wird, herausstellen.

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