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Neuss: Stadtleben in der Alten Post

Neuss : Stadtleben in der Alten Post

In der Ausstellung "outsidein – altepostneu" zeigten 13 Künstler aus der etablierten und der Graffiti-Szene ihre Vorstellung von städtischen Räumen. Eine höchst spannende Schau, für die die Alte Post auf den Kopf gestellt wurde.

In der Ausstellung "outsidein — altepostneu" zeigten 13 Künstler aus der etablierten und der Graffiti-Szene ihre Vorstellung von städtischen Räumen. Eine höchst spannende Schau, für die die Alte Post auf den Kopf gestellt wurde.

Für dieses Projekt mussten Hans Ennen und Klaus Richter wohl mehrfach über den eigenen Schatten springen. Der Leiter der Alten Post und sein verantwortlicher Mitarbeiter für bildende Kunst haben schon manche Veranstaltung gestemmt, die erst auf den letzten Drücker fertig wurde, aber die Ausstellung "outsidein — altepostneu" zu Urban Art, Street Art, Graffiti und HipHop stellt alles bisher Dagewesene in den Schatten.

Denn vier Tage vor Eröffnung ist vielleicht 50 Prozent dessen, was gezeigt werden soll, wirklich fertig. Und dennoch bleiben die beiden ganz gelassen: "Bis Sonntag Morgen steht alles", sagt Ennen locker. Und er weiß auch warum. Er hat bereits mehrfach mit Künstlern aus der HipHop-Szene zusammengearbeitet und dabei erfahren, dass diese, wenn es sein muss, auch Tag und Nacht durcharbeiten.

Klaus Richter, selber ein Künstler, wird diese Erfahrung erst jetzt machen. 13 Künstler aus der Szene von Paris bis nach Danzig sind an einer Schau beteiligt, für die die Alte Post wahrlich auf den Kopf gestellt wird. Dachpappe wurde auf dem Boden ausgerollt; Holzwände wurden aufgestellt, ergeben einen "Old Englisch Room" oder das Interieur einer U-Bahn-Station; ein Filmvorführer richtet sich ein Apartment ein; ein Teil des Foyers wird zum Sperrmüllplatz; ein Museum zeigt Reliquien wie Sprühdosen und frühe Bilder aus 15 Jahren Graffiti-Geschichte.

Die Alte Post wird zum Stadtraum, denn das steckt hinter der Idee des sprechenden Titels aus "outside" (außen) und "in": Das Draußen wird nach Drinnen verlagert. Graffiti-Künstler wie L'Atlas aus Frankreich, M-City aus Danzig oder KJ263 aus Neuss (der auch den Kiosk an der Alten Post gestaltet hat) haben Installationen und Bilder von ihrer Vorstellung von städtischen Räumen geschaffen und zeigen sie gemeinsam mit denen von Kollegen aus der etablierten Szene wie Detlef Ritz, Martin Mele und Kriss Salamanis .

Und wenn diese Ausstellung eines beweist, dann dieses: Der Übergang ist fließend. Dass Pascal Schwendener mit seinen großartigen gemalten Stadtlandschaften auf Leinwand, die er direkt auf der Wand einfach weitergeführt hat, und seiner Installation auf der Treppe bei Peter Doig an der Kunstakademie studiert; dass Tasek, der die U-Bahn-Station konzipiert, zu den autodidaktischen Altmeistern der Graffiti-Szene gehört, spielt keine Rolle.

Alle zeichnet gleichermaßen eine starke künstlerische Kraft aus, der sich kaum ein Besucher dieser Ausstellung wird entziehen können. Kein Wunder also, dass ein gemeinhin anerkannter Künstler wie Martin Mele sogleich auf das Projekt angesprungen ist und mit seiner Sperrmüll-Installation hervorragend in das Konzept passt, dass Klaus Richter und Konstantin Zaika ( KJ263) kuratiert haben.

Alles an diesem Projekt lebt. Jeder Künstler hat sein Werk nur für diesen Raum geschaffen, und mancher wie zum Beispiel Detlef Ritz (er baut das Apartment) ließ sich bei der Auswahl seiner eigenen Requisiten auch beeinflussen von dem, was um ihn herum entstand. Vielleicht wirkt diese Ausstellung deswegen wie aus einem Guss, obwohl sie doch von 13 höchst individuellen Künstlern zusammengestellt wird.

Zum Anliegen, Kunst grenzübergreifend zu präsentieren, passt es auch, dass die Hiphopper der Alten Post, die "Musterkanaken" von Hamdi Berdid, eine Tanz und Text-Collage "W — wie Wut" erarbeitet haben und mehrfach in der Ausstellung zeigen. Überhaupt haben die Kuratoren ein umfangreiches und spannendes Begleitprogramm mit Vorträgen, Filmen, Gesprächen und Musik aufgelegt.

(NGZ)