Neuss: Stadthalle vor 50 Jahren eröffnet

Neuss: Stadthalle vor 50 Jahren eröffnet

Als die Stadthalle im Juli 1961 in Gebrauch genommen wurde, war die Begeisterung groß – und die Diskussion um den Bau der Halle im Vorfeld vergessen. Heute ist der zweckmäßige Bau noch immer zentraler Veranstaltungsort.

Als die Stadthalle im Juli 1961 in Gebrauch genommen wurde, war die Begeisterung groß — und die Diskussion um den Bau der Halle im Vorfeld vergessen. Heute ist der zweckmäßige Bau noch immer zentraler Veranstaltungsort.

Nüchtern und zweckmäßig erscheint sie, und sie ist schon ein wenig in die Jahre, genauer gesagt in ihre "Fünfziger" gekommen: die Stadthalle an der Selikumer Straße.

Als sie am 23. September 1961 offiziell eröffnet wurde, war sie schon längst als Ort der Feste und der Kultur in Gebrauch. Die erste Veranstaltung in der Stadthalle war die "Zog-Zog-Versammlung" des Bürgerschützenvereins am 22. Juli 1961. Die 800 Schützen waren von der neuen Halle so begeistert, dass Schützenkönig Bernd Kircher ein Bild der Halle auf den Königsorden prägen ließ.

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Mit der öffentlichen Zustimmung zur neuen Stadthalle war vergessen, dass dem Bau eine jahrelange Diskussion vorausgegangen war. Bereits 1954 beriet die "stadtväterliche Saalbaukommission" über den Bau einer für "Versammlungs- und Sportzwecke" geeigneten Stadthalle, die mindestens 2000 Besucher fassen sollte. Die Debatte entzündete sich vor allem an den Kosten des Projektes, das mehrere Millionen Mark verschlungen hätte. Die Gegner der Stadthalle, und dies waren nicht wenige, wandten ein, dass man das Geld besser in den Bau von Schulen, Kindergärten und Krankenhäusern stecken solle als in eine Stadthalle.

Die Diskussion zog sich noch drei Jahre hin, bis der Stadtrat am 29. Juli 1957 beschloss, die Halle auf den stadteigenen Grundstücken zwischen Obertor und Selikumer Straße zu errichten. Daraufhin wurde ein Architekten-Wettbewerb ausgeschrieben, für den acht Neusser und sieben auswärtige Architekten Entwürfe einreichten. Das Gebäude sollte "zweckmäßig und solide, aber mit dem geringstmöglichen Aufwand geplant" und "die Kosten für den zu errichtenden Saal so niedrig wie möglich gehalten werden", so der Ausschreibungstext. Der erste Preis ging an den Neusser Architekten Toni Maier, dessen Entwurf das Preisgericht zur Realisierung empfahl. Diese Empfehlung setzte der Stadtrat Anfang September 1958 mit 29 gegen drei Stimmen in einen Beschluss um.

Am 30. Juli 1959 erfolgte die Grundsteinlegung, und gut 13 Monate später war der Bau fertig. Der als Bungalow in Stahlbeton ausgeführte Gebäudekomplex umfasste eine Fläche von 3500 Quadratmetern. Die den Saal umlaufenden Glaswände und das Dach vermittelten den Eindruck eines leichten und transparenten Gebäudes, typisch für die Architektur der 50er Jahre. Dieser Eindruck blieb nach der Sanierung Anfang der 1980er Jahre erhalten. Erst mit dem Bau des angrenzenden Hotelkomplexes vor dem Foyer 1995 ist der Charakter der Architektur verloren gegangen.

(NGZ)
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