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Neuss: Stadt will Hexenprozesse aufarbeiten

Neuss : Stadt will Hexenprozesse aufarbeiten

Eine Abschlussarbeit hat Alexandra Kohlhöfer dem Schicksal der Catharina Halffmanns schon gewidmet, die 1677 unter dem Vorwand der Hexerei angeklagt wurde.

Inzwischen beim Frankfurter Max-Planck-Institut für Rechtsgeschichte beschäftigt, wird sie im Rahmen ihrer Doktorarbeit das Thema "Hexen"-Verfolgung in Mittelalter und Früher Neuzeit in Neuss nun insgesamt aufarbeiten. "Diese Untersuchung war schon auf den Weg gebracht, bevor der Antrag zur Rehabilitation der Hester Jonas kam", betont Jens Metzdorf, Leiter des Stadtarchivs. "Wir brauchen eine Aufarbeitung, keinen symbolischen Akt."

Genau den aber hatte der Düsseldorfer Andreas Vogt in einem Bürgerantrag gefordert, der jetzt im Ausschuss für Anregungen und Beschwerden diskutiert und im Ergebnis an den Kulturausschuss verwiesen wurde. "Eine Dringlichkeit sehen wir nicht", betonte der Ausschussvorsitzende Dieter Zander.

Vogt hatte angeregt, Hester Jonas, die am 24. Dezember 1635 als Hexe hingerichtet wurde, durch den Rat zu rehabilitieren. Eine offizielle Gedenkminute, eine Gedenktafel oder eine Straßenbenennung schienen ihm geeignet, um dem Ausdruck zu geben. Bevor aber darüber befunden werden soll, ist es nach Überzeugung von Archiv und Ausschuss vorrangiger, das Phänomen Hexenverfolgung insgesamt in den Blick zu nehmen. Zwei Fälle, die der Hester Jonas und der Catharina Halffmans, sind durch Prozessakten belegt, doch gibt es noch mehr Fälle, von denen man nur mittelbar Kenntnis hat. Etwa weil eine Rechnung für einen Henker vorliegt.

Treiben lassen will sich die Stadt durch solche Antragsteller nicht. Erst recht, wenn die — wie in diesem Fall — in Foren wie den "Düsselhexen" aktiv ist. Es sei doch befremdlich, so Metzdorf, wenn solche Vereine überkommene Vorstellungen von Hexen perpetuieren und andererseits solche Anträge stellen.

(NGZ/rl)