Neuss: Stadt will Gehalt für Ingenieure erhöhen

Neuss: Stadt will Gehalt für Ingenieure erhöhen

Das Gebäudemanagement hinkt bei vielen Maßnahmen hinterher und sucht Ingenieure. Die sind begehrt - und andere Städte zahlen mehr.

Nicht mehr konkurrenzfähig. Mit diesen drei Worten beschreibt Personaldezernent Holger Lachmann die aktuelle Situation der Stadt Neuss bei der Suche nach Ingenieuren. "Es gibt nur eine Möglichkeit, wenn wir eine Chance haben wollen: Wir müssen das Gehalt erhöhen", sagt Lachmann. "Sonst gehen wir leer aus." Denn die Baubranche boomt, auch in anderen Städten läuft die vehemente Suche nach geeignetem Personal, und ein bisschen ist es wie in der Fußball-Bundesliga: Wer mehr bieten kann, der macht in der Regel das Rennen um die umworbenen Kräfte.

Die Politik soll daher grünes Licht für die angedachte Gehaltserhöhung geben. Statt einer Bezahlung nach Entgeltgruppe 11 soll die Eingruppierung in Zukunft in Entgeltgruppe 12 erfolgen. "Einige Städte wie zum Beispiel Krefeld machen dies bereits", sagt Lachmann. Es sei daher kaum verwunderlich, dass die Suche nach Ingenieuren in Neuss mit der bisherigen Bezahlung kaum zum Erfolg führe. Eine Ingenieurstelle alternativ mit staatlich geprüften Technikern zu besetzen, wird rathausintern zudem kritisch gesehen - und höchstens als Ausnahmeregelung betrachtet. Der Grund: Sollten Fehler unterlaufen, würde der Stadt möglicherweise ein Organisationsverschulden vorgeworfen. Dieses Risiko will man im Rathaus nicht eingehen.

Das bedeutet jedoch nicht nur, dass neue Ingenieure nach Entgeltgruppe 12 eingestuft werden, sondern auch die bereits im Dienst der Stadt tätigen Kräfte. Andernfalls dürften die sich schließlich auf besser bezahlte Stellen wegbewerben. "Dann hätten wir mit Zitronen gehandelt", sagt Lachmann. Die Redensart bedeutet, dass unterm Strich kein Erfolg steht.

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Das alles bedeutet natürlich Mehrkosten für die Stadt. Momentan sind rund 40 Ingenieure sowohl im Gebäudemanagement als auch im Tiefbaumanagement, Amt für Bauberatung und Bauordnung, Liegenschaften und Vermessung und weiteren tätig. Eine höhere finanzielle Eingruppierung der bereits beschäftigten Ingenieure würde rund 530.000 Euro mehr an Personalkosten pro Jahr bedeuten. Neueinstellungen fielen pro Ingenieur mit jährlich rund 13.300 Euro mehr als jetzt ins Gewicht.

Die Kräfte werden laut Verwaltung dringend benötigt, damit das Gebäudemanagement die von der Politik beschlossenen Aufträge umsetzen kann. Schon jetzt hinkt es bei vielen Maßnahmen im Zeitplan zum Teil deutlich hinterher, gerade im Bereich Kita- und Schulneubauten beziehungsweise Sanierungen und OGS-Erweiterungen sorgt dies regelmäßig für Unmut bei der Politik. Mit dem bestehenden Personal ist die Umsetzung der Maßnahmen laut Verwaltung im vorgesehenen Zeitrahmen allerdings nicht zu stemmen.

Das Gebäudemanagement geht davon aus, dass 14 zusätzliche Stellen geschaffen werden müssen, um beschlossene Aufträge zu erledigen und einen weiteren Sanierungsstau zu vermeiden. Und es wird Druck gemacht: Ein Besetzung der Stellen erst mit Rechtskraft des Stellenplanes 2019 und nicht vor Sommer 2019 könne aus den genannten Gründen nicht hingenommen werden. Die Personalmehrkosten in diesem Bereich werden mit rund 975.000 Euro jährlich kalkuliert.

(abu)