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Neuss: Stadt wartet auf 19 Millionen

Neuss : Stadt wartet auf 19 Millionen

Ob Autofahrer, Grundstücksbesitzer oder Hundehalter – viele Neusser zahlen ihre Steuern nicht pünktlich, manche sogar überhaupt nicht. Diese Gelder fehlen in der Stadtkasse und müssen oft eingetrieben werden.

In der städtische Kasse klafft ein Loch von über 25 Millionen Euro. Um das zu schließen, muss sogar das "Sparschwein" der Stadt, die Ausgleichsrücklage, herhalten. In den kommenden Jahren gibt es in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens Kürzungen und Wegfall von freiwilligen Leistungen. Auf der anderen Seite hat Neuss 19 Millionen Euro Außenstände. Geld, dass Unternehmen und Bürger (noch) nicht bezahlt haben.

Alleine 14,4 Millionen Euro machen Steuern aus: Grundsteuer, die Hauseigentümer zu bezahlen haben, Gewerbesteuer der Firmen, Vergnügungssteuer in der Gastronomie oder Hundesteuer. Immerhin 2,1 Millionen Euro sind es im Bereich der Gebühren, Verwaltungsgebühren oder Gebühren für die Abfallentsorgung oder beim Friedhof.

Stadtkämmerer Frank Gensler bleibt recht entspannt, weil er das Thema zur Genüge kenne. Er sagt: "Die Bescheide sind in aller Regel raus, und dann hat der Zahler vier Wochen Zeit, um die Rechnung zu begleichen." In vielen Fällen sind Vollstreckungen nötig, dann müssen Mitarbeiter der Stadt ran, um die Forderungen einzutreiben. In der Kämmerei kümmern sich 15 Mitarbeiter darum. Sechs von ihnen rücken aus und suchen das Gespräch mit den Säumigen. "Die sind besonders geschult und lassen sich auch in schwierigen Situation nicht provozieren", sagt Gensler. Zum Vergleich: In der vier Mal so großen Landeshauptstadt sind 70 Mitarbeiter mit dem Thema Mahnverfahren beschäftigt und damit, das Geld möglichst schnell einzutreiben.

Spitzenreiter der säumigen Zahler sind Neusser Unternehmen, deren Außenstände belaufen sich auf drei Millionen Euro. Wenig zahlungsfreundlich ist auch eine ganze Reihe von Autofahrern, denn Knöllchen in Höhe von 265 000 Euro stehen noch aus. Bei den Hundebesitzern wartet die Stadt auch noch auf den Eingang von 40 000 Euro, die sie für den Besitz von Vierbeinern noch nicht überwiesen haben.

Würden alle Gelder pünktlich zum Stichtag gezahlt, dann müsste die Stadtkämmerei nicht jährlich im Durchschnitt Beträge in einem sechsstelligen Bereich abschreiben – im ungünstigsten Fall sogar Millionen. Der häufigster Grund: Insolvenzen von Privatleuten oder kleinen Unternehmen. Gensler: "Das ist schon häufiger der Fall."

(NGZ)