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Neuss: Stadt verhindert Spielhallen

Neuss : Stadt verhindert Spielhallen

Viele Nachbarstädte stehen den Expansionsbestrebungen der Spielhallenbetreiber wehrlos gegenüber. In Neuss hat man einen Weg gefunden, Ansiedlungswünsche zu kanalisieren. Spielhöllen sind in Neuss unterrepräsentiert.

Es ist ein Dauergefecht - und das schon seit 20 Jahren. Immer wieder bekommt Wilhelm Knop im städtischen Planungsamt Anfragen von Spielhallen-Betreibern auf den Tisch, die eine neue „Spielhölle“ eröffnen wollen, doch inzwischen hat er ein gutes Instrument in Händen, diese zu kanalisieren. Ein Vergnügungsstättenkonzept. Während viele Nachbarstädte erst jetzt diese Klinge schärfen und zum Beispiel Krefeld allein in den vergangenen fünf Jahren fast 20 Spielhallen konzessionieren musste, sind Spielhallen in der Quirinusstadt nach Überzeugung von Jürgen Schmitz vom Ordnungsamt unterrepräsentiert. Aber auszuschließen sind sie nicht.

Aktuell liegen der Verwaltung ein Bauantrag und eine Anfrage vor. Die allerdings war noch so unspezifisch, dass Knop sie schon am Telefon abwies. „Die sollen sich erst mal klar äußern“, sagt er zu dem Ansinnen, an der Rheintorstraße eine Spielothek zu etablieren. Große Chancen aber habe auch eine konkretere Anfrage nicht, schiebt Schmitz nach, denn der Standort liegt in dem Teil der City, wo Spielhallen ausgeschlossen wurden.

„Spielhallenbetreiber wollen immer dahin, wo Bewegung ist“, erklärt Knop die Standortkriterien, die diese Ketten bei der Suche im Hinterkopf haben. Als Gewerbe anerkannt, ist aber nur in Wohngebieten eine Ansiedlung per se ausgeschlossen. Weitere Ausschlusszonen hat die Stadt allerdings mit ihrem Vergnügungsstättenkonzept definiert. Dazu gehören auch Gewerbegebiete, deren Entwicklung so geschützt werden soll, sagt Knop. Kehrseite des Konzeptes ist es allerdings, dass regelrecht Ausweichflächen angeboten werden müssen, wo eine Ansiedlung in Ordnung geht. Das erklärt die relative Häufung von Spielhallen an der Hammer Landstraße, gegenüber dem Rheinparkcenter. Innenstadtnah sei es aber gelungen, so Knop, Spielotheken „in die zweite und dritte Reihe zu drängen.“

Auch wenn die Stadt zwölf Prozent des Einspielergebnisses dieser Hallen über die Vergnügungssteuer abschöpft und für 2010 gut 600 000 Euro aus dieser Quelle eingenommen hat - richtig beliebt sind Spielhallen nicht. Denn sie können zu einem Verfall eines Standortes führen. „Trading down“, herunterwirtschaften, nennen Experten diesen Effekt, der dadurch ausgelöst wird, dass Spielhallenbetreiber fast jede Miete akzeptieren. Das kann dazu führen, dass eingesessener Handel verdrängt und an seiner Stelle Spielhallen aber auch Sexshops oder Videotheken ansässig werden. „So kam es zu klassischen Bahnhofsvierteln“, sagt Schmitz. Gegensteuern kann man mit Satzungen, besser, so Knop, sei ein Quartiersmanagement, das Hauseigentümer einbindet.