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Neuss: Stadt und Verbände knüpfen ein Netzwerk der Hilfe

Neuss : Stadt und Verbände knüpfen ein Netzwerk der Hilfe

"Wer sagt, dass er betteln muss, lügt": Jürgen St., Obdachloser in Neuss, ist von dem Netzwerk der Hilfe, das die Stadt, das Jobcenter und die Sozialverbände geknüpft haben, überzeugt. "In Neuss verhungern – das geht nicht. Wenn man Hilfe wirklich haben möchte, findet man sie hier." Und das ist damit gemeint:

Jobcenter Das Jobcenter im Rhein-Kreis stellt den Lebensunterhalt sicher. Wie viele Obdachlose davon profitieren, kann Birgit Götze, Bereichsleiterin Leistung, nicht sagen. Ist jemand dauerhaft in Neuss gemeldet, kann er Hartz-IV beziehen, Durchwanderer können Tagessätze beantragen.

Fachstelle für Wohnungsnotfälle Dieser Fachbereich des Sozialamtes hilft Obdachlosen bei der Wohnungssuche. Kein ganz einfaches Unterfangen, seit der Rhein-Kreis einen neuen grundsicherungsrelevanten Mietspiegel eingeführt hat. Für diese Summen, so erklärt Ernst Goertz als Leiter der Fachstelle, ist in Neuss kaum Wohnraum verfügbar. Einen wesentlichen Schwerpunkt legt die Fachstelle auch deshalb auf die Vermeidung von Obdachlosigkeit. Die Mission heißt deshalb: Mietverhältnisse retten. Eingeschaltet werden sollte das Amt dazu möglichst früh, "am besten bei der ersten Mahnung", sagt Goertz. Wurde schon eine fristlose Kündigung ausgesprochen, seien die Verhandlungen mit dem Vermieter ungleich schwerer. Benachrichtigt wird das Amt automatisch, wenn eine Räumungsklage gestellt ist. Dann aber liegt das Kind oft schon im Brunnen. "In der Regel wird dann eine Tilgung verlangt", sagt Goertz. "Das setzt die Mitarbeit der Betroffenen voraus."

Obdachlosenunterkünfte In akuten Fällen oder wenn keine Wohnung verfügbar ist, kann die Stadt obdachlos gewordenen Menschen kurzfristig eine Wohnung in städtischen Immobilien zuweisen. Drei- bis viermal sei das im vergangenen Jahr vorgekommen, sagt Goertz. Elf Wohnungen gibt es in einem Haus an der Viersener Straße, zwölf an der Schleppbahn in Holzheim.

Hin- und Herberge Bis zu 20 wohnungslose Männer können in diesem Haus am Derendorfweg übernachten. Nachweisen müssen sie ihre Bedürftigkeit nicht. Morgens bietet die Caritas dann in der Schlafstelle eine erste Beratung an.

"Haus Lebensbrücke" An der Normannenstraße unterhält die Stadt eine Einrichtung, wo Obdachlose auch längerfristig, nämlich bis zu 18 Monate, wohnen können. Dort können sie zur Ruhe kommen und sich unter Betreuung beruflich und persönlich neu orientieren.

"Brücke" Der Sozialdienst katholischer Frauen hält mit seiner Kontaktstelle an der Bleichstraße ein Angebot nur für wohnungslose Frauen vor, betreutes Wohnen inklusive. Wird akut eine Übernachtungsmöglichkeit gesucht, werden Frauen in einem Hotel einquartiert.

Café Ausblick Lotsenfunktion durch diese Vielzahl von Ämtern und Einrichtungen kommt der Kontakt- und Beratungsstelle der Caritas an der Breite Straße zu. Sie ist Poststelle für Obdachlose, führt mehr als 100 Verwahrgeldkonten, bietet Gelegenheit zum Duschen, Wäsche waschen und preiswerte Mahlzeiten, sowie Hilfe und Beratung – etwa im Umgang mit Behörden. Regelmäßig bietet ein Arzt Sprechstunden an. 2010 schaffte es das Team, 47 Nichtsesshafte wieder sesshaft zu machen.

(NGZ)