Stadt und Kreis Neuss pokern um ihre Klinikanteile

Analyse Neusser Woche : Der Poker um die Anteile an der Fusionsklinik hat begonnen

Krankenhaus-Fusion oder Holding-Lösung mit weiterhin eigenständigen GmbHs unter einem Dach? Das Gerangel um die Ausschreibung zur Unternehmensbewertung belegt vor allem eins: Stadt und Kreis ringen um die Macht im neuen Klinikum. Wer erhält wie viele Geschäftsanteile?

Der beinharte Poker ist längst im vollen Gange. Die Stadt Neuss und der Rhein-Kreis positionieren sich für die bevorstehenden Verhandlungen, an deren Ende der Zusammenschluss der drei kommunalen Krankenhäuser stehen soll. Hier das städtische „Lunkas“ in Neuss, dort die Kreis-Kliniken in Dormagen und Grevenbroich. Im Kern geht es bereits jetzt - noch ehe der Gutachter zur Unternehmensbewertung bestellt ist - um die Antwort auf die Frage, welcher Gesellschafter erhält welchen Geschäftsanteil an dem verschmolzenen Unternehmen. Diese frühen Positionskämpfe werden von der alten Überzeugung befeuert: Wer die Mehrheit hat, der hat auch die Macht.

Darum drängen besonnene Kräfte darauf, dass es zu einer Fusion „auf Augenhöhe“ kommen sollte. Um ein Krankenhaus-Unternehmen zu errichten, an dem Stadt und Kreis jeweils zur Hälfte beteiligt sind, - so war es Mitte der 1990er Jahre bei den Sparkassen gelungen - könnte es aber sein, dass eine Seite frisches Bargeld einzahlen müsste. Das wäre der Fall, wenn der Wert eines der in die Fusion einzubringenden Unternehmen unter dem Wert des Partners taxiert wird. Das Risiko liegt vermutlich beim Kreis, dessen Krankenhäuser weiterhin - trotz spürbarer Ergebnisverbesserung - mit roten Zahlen abschließen. Die Neigung, weitere Finanzmittel in die Krankenhäuser zu zuschießen, wird überschaubar sein. Unlängst steuerte der Kreis bereits mit 40 Millionen Euro nach.

Nun wird also gepokert. Sichtbar wird dies am Gerangel um den Auftragstext an den Gutachter. KPMG wird den Auftrag erhalten, die finanztechnische und strategische Unternehmensbewertung für eine Krankenhaus-Lösung vorzunehmen und eine Empfehlung auszusprechen, in welcher Rechtsform das geschehen sollte. Während der Kreis unter Führung der CDU/FDP-Koalition auf die Karte Fusion setzt, will die Stadt auch das so genannte Holding-Modell prüfen lassen. Dabei geht es um weiterhin eigenständige Gesellschaften unter einem Dach.

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Während Politik und Verwaltung noch pokern, hat die Mehrheit der Ärzte längst erkannt, welche medizinische Chance ein fusioniertes Klinikum mit drei Standorten bietet.

Scheitert die Fusion, was wären die Alternativen? Der Kreis sieht sich außerhalb seiner Grenzen nach einem Partner in Mönchengladbach oder Köln um. Auch ein Verkauf an einen privaten Betreiber wie Helios ist denkbar. Ob sich das „Lukas“ diesen Mitbewerber herbeisehnt, erscheint fraglich.

(Lue-)
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