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Neuss: Stadt schützt Handel in der City

Neuss : Stadt schützt Handel in der City

Der Streitfall Cruse Classic war der Auslöser: Weil der Modehändler eine Lücke im Bebauungsplan für das Rheinparkcenter nutzte, legt die Stadt eine neue Version auf, um dort weiteren Einzelhandel zu verhindern.

Die Stadt macht ernst: Neue Einkaufsläden, egal mit welchem Sortiment, wird es im Rheinparkcenter nicht mehr geben. Sie legt einen entsprechenden neuen Bebauungsplan über diesen Stadtbezirk, der gestern auch das einstimmige Votum der Mitglieder des Planungsausschusses erhielt. Dahinter steht eindeutig der Schutz des Einzelhandels in der Innenstadt, dem nicht noch stärkere Konkurrenz aus diesem Nebenzentrum erwachsen soll.

Wie groß die "Bedrohung" aus dem wenige Kilometer entfernten neuen Einkaufszentrum "Rheinpark-Center" für die Innenstadt tatsächlich ist und wird, werden die Einzelhändler schon bald spüren, wenn in acht Tagen das Rheinpark-Center mit seinen 140 Läden komplett eröffnet. Diese Dimension mit gut 37 000 Quadratmeter Verkaufsfläche konnte nicht verhindert werden, ebenso wenig im vergangenen Jahr die Neueröffnung des Modeladens Cruse Classic. Noch mehr Verkaufsflächen in diesem Bezirk würden den Abstand zum Haupt-Einkaufszentrum (insgesamt rund 57 000 Quadratmeter) weiter verkleinern und dessen Attraktivität einschränken.

Der Streit mit Modehändler Georg Cruse, der beinahe hätte vor Gericht entschieden werden müssen und wo die Stadt Signale erhalten hatte, dort den Kürzeren zu ziehen, war letztlich der Auslöser für die Auflegung des neuen Bebauungsplans. Den hatte auch der damalige City-Treff gefordert, der sich vehement gegen die Wiederansiedlung von Cruse im benachbarten "Haus Paris" an der Breslauer Straße ausgesprochen hatte. Die heutige Händlergemeinschaft ZIN stützt dieses Vorgehen von Stadt und Politik.

"Die Realitäten haben sich anders entwickelt als in dem bisherigen Bebauungsplan vorgesehen", sagt Planungsamtsleiter Albrecht Heyer. Große Wohnhäuser, ein Luxushotel, mittlere und kleinere Gewerbebetriebe, Büros, Großhandelsbetriebe und Einkaufszentrum – der Stadtbezirk Rheinparkcenter bietet eine uneinheitliche Struktur, die verbessert werden soll. Damit ist bald Schluss. Dabei wird der neue Bebauungsplan zum großen Stopp-Schild für alle, die dort unerwünschte Geschäfte betreiben wollen, weil sie eine "negative städtebauliche Wirkung" hätten, so Heyer.

Dazu gehören Tankstellen, Betriebe des Sexgewerbes und des Glücksspiels, Einzelhandel, aber auch Anlagen für kirchliche und kulturelle Zwecke sowie Wohnen. Letzteres ist nur dort möglich, wo es bislang auch zugelassen ist, an der Rheinallee – "zum Beispiel durch Erweiterungen", erklärt der Amtsleiter. Dagegen sind Dienstleistungsbetriebe, Büroansiedlungen und Ähnliches im Rheinparkcenter willkommen.

(NGZ)